1861 wagte der Beelitzer Ackerbürger Carl Herrmann ein Experiment: Er baute ein Gemüse an, das kaum jemand kannte — das aber bald jeder wollte

Als der Beelitzer Glasermeister Carl Friedrich Wilhelm Herrmann 1861 das erste Mal Spargel anbaute, war es ein wagemutiges Experiment: Das Edelgemüse kannte man - wenn überhaupt - nur von den Tafeln höherer Gesellschaften. Wie würden die einfachen Leute den Spargel aufnehmen, den er da auf seinem Acker im Norden der Stadt anbaute? Würde er ihnen schmecken? Carl Herrmann hatte offenbar den richtigen Riecher, denn sein Gemüse fand reißenden Absatz. 1870 wurde in Beelitz der erste Spargel auf dem Markt der Stadt verkauft und damit weithin bekannt. Viele Beelitzer Bauern waren Herrmanns Beispiel gefolgt, sodass bereits kurz nach der Jahrhundertwende 250 Hektar in und um Beelitz mit Spargel bepflanzt waren. Zur Erntezeit kamen jeden Abend Lastwagen der Berliner Zentralmarkthalle und holten das Gemüse ab. 1927 wurde der Spargel dann schon auf 450 Hektar angebaut. Das waren seinerzeit immerhin sechs Prozent der Gesamtanbaufläche in Deutschland. Schon damals wurden Erntehelfer von außerhalb in die Stadt geholt, um das Gemüse zu stechen. Für sie wurde 1934 das erste Spargelfest veranstaltet - mit einer Spargelpyramide, die zu diesem Anlass auf Reisen ging. In der Zeit bis 1945 wurde der Anbau von den Behörden eingeschränkt, weil Spargel als nicht kalorienreich genug angesehen wurde. Viele Anpflanzungen verkümmerten. In der frühen DDR gab es eine kurze Renaissance, dann aber wurde der Anbau durch die Kollektivwirtschaft zurückgedrängt. Man baute ihn fast nur noch privat an - wodurch er umso wertvoller wurde. Vor allem in Berlin wurde das „weiße Gold“ als inoffizielle Währung akzeptiert und konnte gegen andere knappe Güter wie Fahrzeugteile, Unterhaltungstechnik oder Bekleidung eingetauscht werden. Nach der Wende zog es Spargelbauern aus den alten Bundesländern nach Beelitz. Zusammen mit den ansässigen Landwirten belebten sie die Tradition neu und rekultivierten mit unternehmerischem Geschick und Mut die Flächen. 1991 wurde wieder ein Markt in Beelitz abgehalten, 1993 folgte der erste Auftritt auf der Grünen Woche. Die Berliner strömten wieder in Scharen aufs Land: Selbst nach 40 Jahren deutscher Teilung hatten sie den Geschmack des Beelitzer Spargels nicht vergessen. Die Stadt würdigt ihren Spargelpionier Carl Herrmann heute mit einem Denkmal an der Ecke Berliner / Clara-Zetkin-Straße -eine Referenz an seinen unternehmerischen Spürsinn.

 

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Der übergroße Knuddel-Spargel ist seit dem Sommer 2010 das offizielle Maskottchen von Beelitz.

Die Kinder der Stadt haben ihm den Namen per Abstimmung verliehen. Überall wo er auftaucht, sorgt er nicht nur für ein Lächeln und leuchtende Augen, sondern auch für gezückte Fotoapparate. Spargelino ist vor allem auf großen Veranstaltungen in Beelitz wie dem Spargelfest zu sehen, aber er vertritt die Spargelstadt immer häufiger auch außerhalb: Auf der Grünen Woche in Berlin oder dem Stadtfest in Schwedt ebenso wie bei der großen Maskottchen-Parade, dem Toonwalk in Nürnberg. Vor Kurzem hat Spargelino übrigens eine Gefährtin bekommen: Spargelina begleitet ihren „Spagel-Mann“ zu seinen Auftritten und verdoppelt den Sympathiefaktor für unsere Stadt.

 

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