Von Thomas Lähns PNN   31.08.2009

Heiraten beim Bockwindmüller

Beelitzer Mühlenverein hat alte Tradition wiederbelebt: Die „Vermehlung“ von jungen und alten Paaren Thomas Lähns

Beelitz - Was haben Paare in früheren Jahrhunderten gemacht, wenn sie sich nicht vom Pfarrer trauen lassen konnten – oder wollten? Sie sind zum Müller gegangen. „Statt der kirchlichen erhielten sie die weltliche Fürsprache, es war wohl so etwas, wie eine Arme-Leute-Hochzeit“, erzählt Ulrich Hyna über eine Tradition, die hierzulande kaum noch jemand kennt. Der Beelitzer Bockwindmüller gibt selbst seit kurzem Paaren seinen Segen, die standesamtlich geheiratet haben oder ihre Silber- oder goldene Hochzeit begehen. Statt Ringe zu tauschen, verreiben sie Mehl in ihren Händen. Und statt sich vor einem Altar zu küssen, krempeln sie die Ärmel hoch und bringen die Mühlenflügel in Schwung.

Über diesen Brauch habe ihm ein holländischer Windmüller berichtet, erzählt Hyna. Er habe sich daraufhin belesen und mit dem Förderverein eine traditionelle Mühlenhochzeit mit allerlei Ritualen und Symbolen zusammengestellt. Der Name des Zeremoniells – „Vermehlung“ – ist mehr als nur ein Wortspiel. Denn der Begriff Vermählung könnte laut Hyna tatsächlich davon abstammen. „Es hängt aber auch mit dem Mahl zusammen, dem typisch christlichen Ritual des gemeinsamen Speisens.“ Das wird auch in der Bockwindmühle zelebriert.

In Anlehnung an das letzte Abendmahl tafelt das Hochzeitspaar auf dem Steinboden zusammen mit seinen zehn engsten Freunden. So sitzen sich insgesamt zwölf Leute Auge in Auge gegenüber, während sie Beelitzer Mühlenbrot und Wein miteinander teilen. „So werden die Freunde an das Paar gebunden, damit sie die beiden künftig in allen Lebenslagen unterstützen“, erläutert der Müller. In seinem Geleitwort heißt es: „So wie die Mahlsteine gemeinsam arbeiten, geht auch ihr nun gemeinsam ans Werk.“

Im Anschluss folgt die Vermehlung eine Etage tiefer auf dem Absackboden. Dort hält das Paar nach der Fürsprache seine Hände unter das Mehlrohr, aus dem sich frisch gemahlenes Mehl über sie ergießt. Das überschüssige Mehl wird aufgefangen und in einen kleinen Sack verschnürt – je nach Anlass mit grünem, silbernem oder goldenem Band. Damit soll das Glück bewahrt werden. „Der Müllergruß ,Glück zu!’ kommt vermutlich von diesem Akt“, so Hyna.

Danach müssen die Eheleute im wahrsten Sinne gemeinsam an einem Strang ziehen: Dadurch wird die Flügelbremse gelöst und die Mühle fängt an zu arbeiten. „Manchmal muss die Mühle auch erst in den Wind gedreht werden“, erzählt Hyna, dann sei die Arbeit noch schwieriger – aber die Freunde dürfen beim Drehen des großen Bauwerks auf Bock helfen und am Sterz anpacken.

Ob es in vergangenen Jahrhunderten in Beelitz Mühlenhochzeiten gegeben hat, weiß heute niemand mehr, denn Bücher früherer Müller sind nicht überliefert. Seit dem Frühjahr dieses Jahres haben sich schon fünf Paare hier vermehlen lassen, im September sind die nächsten dran: ein Goldhochzeitspaar aus Berlin. „Die Leute suchen das Außergewöhnliche, und wir wollen damit die Tradition pflegen“, so Müller Hyna.

Dabei kann die Mühlenhochzeit eine standesamtliche Trauung zwar nicht ersetzen, aber es gebe Mühlen, die beides miteinander vereinbaren. „In Berlin-Britz befindet sich das Standesamt direkt in der Mühle, dort kommen die Leute mit einem gültigen Trauschein heraus“, weiß der Beelitzer Bockwindmüller zu berichten. Aber auch ohne den könne eine Mühlenhochzeit ergreifend sein. So habe eine Silberbraut beim letzten Mal eine besonders schöne Rede für ihren Mann gehalten. „Es waren genau die Worte, die ich auch meiner Frau gesagt hätte“, erinnert sich Hyna.

Zur Vermehlung kann man sich unter Telefon (033 204) 61095 anmelden. Die Zeremonie in festlichem Rahmen gibt es für einen Unkostenbeitrag von 75 Euro.


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Potsdam-Mittelmark Bockwindmühle im Aufwind

Förderverein will Standort in Beelitz weiter ausbauen Thomas Lähns  PNN 10.03.2010

Beelitz - Der Förderverein „Beelitzer Bockwindmühle“ will den Mühlen-Standort an der Trebbiner Straße weiter entwickeln. Geplant ist ein Flachbau, in dem ein kleines Museum sowie eine Werkstatt Platz hätten. Wie Vereinschef Wolfgang Trebuth gestern auf Anfrage sagte, laufe die Bauvoranfrage beim Landkreis. Das Projekt müsse zudem mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Auch Mühlenexperten müssen beteiligt werden, denn schließlich darf der Neubau die Mühle selbst nicht in den Windschatten stellen.

Seit der Rekonstruktion vor vier Jahren ist die Beelitzer Mühle zum beliebten Anziehungspunkt geworden. Seit der vergangenen Saison können sich auch Brautpaare symbolisch in dem historischen Bauwerk von 1792 „vermehlen“ lassen. Sieben solcher Mühlenhochzeiten hat es schon gegeben, einen ersten Termin für dieses Jahr gebe es bereits, so Trebuth. Auch der Backofen hat sich als Bereicherung für die Mühlenbesucher offenbart. Allerdings fehlen bislang feste Sanitäranlagen. Der Behelf mit Dixi-Toiletten werde dem Anspruch eigentlich nicht mehr gerecht, räumte Trebuth ein. In einem neuen Gebäude würden auch Sanitärbereiche Platz finden. Zudem hat der Verein einen Raum für Filmvorführungen im Auge. In der Werkstatt könnten insbesondere Schüler das Handwerk näher kennenlernen. Und für das Mühlenmuseum gibt es schon Exponate: Mahlbänke und elektrische Schrotmühlen aus den 1920ern hatten die Jahre vor Ort auf dem Mahlboden überdauert. Zur Geschichte der Müllerei in der Region forscht der Förderverein indes seit längerem. Karl Steffens und Karl Gedicke wälzen Urkunden und wollen dokumentieren, wo die Bauwerke standen.

Mit den früheren Plänen, hier eine feste Verkaufsstätte für Spargel zu errichten, habe das Projekt indes nichts zu tun, unterstrich Trebuth. Der Spargelhof Schlunkendorf hatte neben der Mühle eine Außenstelle mit Gastronomie geplant, dieses Vorhaben aber bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Der Förderverein will den Neubau aus Spenden und Vereinsmitteln finanzieren, „außerdem suchen wir noch nach Fördermöglichkeiten“, sagte Wolfgang Trebuth.  Thomas Lähns

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Von Thomas Lähns Auf dem Mahlboden wird es eng   12.08.2010

Viele Besucher, wenig Platz: Beelitzer Bockwindmühle braucht Nebengebäude für Museum und Imbiss Thomas Lähns

Beelitz - Die Vision eines Mühlenhofes mit Museum am Fuße der Beelitzer Bockwindmühle hat einen Dämpfer bekommen: Neue Auflagen der Bauaufsicht würden die Entwicklung des Standortes an der Trebbiner Straße erschweren, sagte Karl Steffens, Sprecher des Fördervereins gestern den PNN. Demnach solle die Größe des geplanten Neubaus reduziert werden, auch bei der geplanten Bauweise als Fachwerk macht der Landkreis nicht mit. Die Reaktion des Vereins: Bis auf Weiteres ist die Mühle für Laufkundschaft geschlossen, nur noch Schulklassen und Gruppen können nach Vereinbarung das Bauwerk besichtigen. Auch die Mühlenhochzeiten werden nach wie vor gefeiert.

Denn mittlerweile sei der Aufwand für die durchgängige Betreuung der Mühlenbesucher unter der Woche zu groß, erläuterte Steffens den drastischen Schritt. Aus Sicherheitsgründen dürfen nur 15 Leute hinauf auf Mahl- und Sackboden klettern, „aber was machen wir mit den anderen?“ Die müssten schließlich betreut werden, während sie warten, so Steffens. 25 Minuten dauert die Führung mit Müller Ulrich Hyna – ohne Nachfragen. Und die hat jede Gruppe zur Technik oder Geschichte des Bauwerkes.

Mit dem Mühlenmuseum will der Verein nicht nur das Angebot erweitern, sondern auch elementare Voraussetzungen für den jährlich wachsenden Besucherstrom schaffen, zum Beispiel mit festen Toiletten und Imbiss. Auch überhaupt ein Dach zu haben sei wichtig, so Steffens. Bis vor kurzem standen noch Zelte und Pavillons, um vor Wind und Regen zu schützen, doch auch dies habe der Landkreis verboten. Insgesamt 5 000 Gäste würden das Bauwerk jährlich besuchen, schätzt der Verein. Am größten ist die Nachfrage während der Spargelsaison.

Vor vier Jahren hatte der Förderverein mit der Rekonstruktion des verfallenen Bauwerkes aus dem Jahre 1792 begonnen. „Es war uns schon damals klar: Die Mühle allein konnte als Schaumühle nicht betrieben werden“, heißt es in dem Schreiben des Fördervereins. Der Spargelhof Schlunkendorf wollte hier eine Verkaufshalle für seine Erzeugnisse einschließlich Gastronomie errichten, auch ein Mühlenmuseum hätte darin Platz gehabt. Allerdings wurde das Vorhaben aufgrund der schlechten Wirtschaftslage auf Eis gelegt. Als Alternative soll nun ein eingeschossiger Neuebau von 21 mal 6 Metern errichtet werden. Dafür hat der Spargelhof „Buschmann und Winkelmann“ als Nachbar und größter Sponsor bereits Land zur Verfügung gestellt. In zwei Jahren wolle nun der Klaistower Familienbetrieb eine Verkaufsstelle auf dem Mühlenhof errichten, wie Steffens weiß.

Laut den Entwürfen des Fichtenwalder Architekten Wilfried Berg ist im Innenraum des Museums Platz für einen 60 Quadratmeter großen Ausstellungsraum, ein 15 Quadratmeter großes Büro für den Mühlenverein und eine Werkstatt für den Müller in etwa der gleichen Größe. Ein Drittel des Gebäudes ist für Toiletten, Kasse und Imbiss vorgesehen. „Das Gebäude können wir nicht mehr reduzieren, es wäre zu eng“, so Karl Steffens. Bei der Forderung der Kreis-Denkmalbehörde, auf das Fachwerk zu verzichten, um die Mühle nicht zu sehr in den Hintergrund treten zu lassen, ist der Verein jedoch kompromissbereit. „Es ist zwar schade, aber es zu verputzen ist auch billiger.“

220 000 Euro soll der Neubau kosten, drei Viertel davon könnten vom Land übernommen werden. Eine Zusage der zuständigen Komission gebe es bereits, sagt Steffens. Der Rest soll mit Spenden und Eigenmitteln finanziert werden. Die Beelitzer Mühlenfreunde haben den überarbeiteten Bauantrag nun zurück nach Teltow geschickt und hoffen jetzt, dass die Bauaufsicht spätestens im Herbst gründes Licht geben wird. „Bis zum Winter sollte wenigstens der Rohbau stehen“, sagt Karl Steffens, „ansonsten läuft uns die Zeit davon“.

Ungeachtet aller Widrigkeiten will der Förderverein am Samstag, 21. August, an der Mühle ein Sommerfest mit Kutschfahrten, Blasmusik und einem Sommernachtsball am Abend feiern.

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