FAIRTRADE



Kurt Dahms von Transfair Deutschland mit Sozialausschuss-Chefin Christel Niederland und Projektkoordinator Michael Steinland    - Foto 2019

 


 

 

Beelitz handelt fair

Informationen aus unserer Stadt 27. Jahrgang | Nr. 6 | 26. Juni 2019 BN

Als 600. Kommune in Deutschland ist die Spargelstadt jetzt als Fairtrade-Town geworden

Spargelstadt, Kinder- und familien-freundliche Kommune, Stadt mit historischem Stadtkern – und nun Fairtrade-Town: Als 600. Kommune in Deutschland hat Beelitz jetzt Brief und Siegel darauf bekommen, dass es sich für fairen Handel einsetzt. Nach einem umfangreichen Bewerbungsverfahren hat der Verein Transfair Deutschland e.V. die Spargelstadt nun als „Fairtrade-Town“ anerkannt, die offizielle Verleihung erfolgte im Rahmen des Spargelfestes.

„Es ist ein kleines Zeichen einer kleinen Stadt“, sagte Bürgermeister Bernhard Knuth während der Übergabe der Ernennungsurkunde am 2. Juni auf der großen Bühne in der Altstadt. Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger hielt dem entgegen, dass es viel mehr als das sei: Beelitz leiste auch in dieser Hinsicht Großes.

Im Rahmen des vor anderthalb Jahren gestarteten Bewerbungsverfahrens hat sich die Stadt nicht nur selbst verpflichtet, auf Fairtrade-Produkte zu setzen, sondern auch Partner vor Ort eingebunden. Dazu gehören Händler wie der Edeka-Markt Senteck, die Beelitzer Filialen von Aldi und Getränke Hoffmann, die Bäckerei Exner, C&M Wollmäuse, die Geschäfte Ein Buchladen und Brillen im Schmiedehof, das Café im Barfußpark und der Gewerbeverein insgesamt. Auch die Evangelische Kreuz-Kirchengemeinde Bliesendorf, die den Fairen Handel im Rahmen ihrer Gemeindearbeit immer wieder thematisiert, ist dabei, ebenso wie die SG Blau-Weiß Beelitz als größter Verein in der Stadt. Die Kitas und Schulen spielen eine große Rolle und legen ein starkes Engagement an den Tag: Zuletzt wurden im Rahmen eines internationalen Projektes Schultaschen durch die Schüler der beiden weiterführenden Schulen entworfen, die in Südafrika zu fairen Konditionen unter anderem aus alten Kunststoffbannern, die nach der Fußball-WM 2010 keine Verwendung mehr fanden, genäht wurden.

„Unsere Stadt steht in erster Linie für Regionalität und den Genuss saisonaler Erzeugnisse, die bei uns angebaut und verarbeitet werden. Aber natürlich sind auch wir Teil dieser Welt und auch hier beziehen die Menschen Produkte aus anderen Ländern“, so Bürgermeister Bernhard Knuth im Vorfeld. „Umso wichtiger ist es, genau da ein Zeichen zu setzen. Denn wie unsere Erzeuger hier, möchten auch die Menschen in anderen Ländern gut von ihrer Arbeit leben können.“ Neben vernünftigen Preisen spielen auch soziale Aspekte, allem voran Arbeitnehmerrechte in den Produktionsländern, sowie ökologisch nachhaltige Anbaumethoden eine Rolle für das Fairtrade-Prinzip, das es seit mehreren Jahrzehnten gibt – und unter dem neben Kaffee, Kakao und Schokolade mittlerweile auch Bekleidung, Sportartikel oder Blumen produziert werden.

„Kommunales Engagement ist der Schlüssel, um die Nachhaltigkeitsziele umzusetzen und fairen Handel zu verankern“, erklärte Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung, der die Bundesregierung unterstützt. „Dazu gehört, das Bewusstsein für ethischen Konsum bei den Bürgerinnen und Bürgern zu stärken und die öffentliche Beschaffung fair und ökologisch zu gestalten. Die Kampagne Fairtrade-Towns leistet dazu einen bedeuten-den Beitrag“, so Thieme weiter. Schließlich gehören Kommunen zu wichtigen Einkäufern: Von Fairtrade-Kaffee in öffentlichen Einrichtungen bis zu Berufskleidung mit fairer Baumwolle – die Mengen, die sie einkaufen, machen auch kleinere Städte wie Beelitz zu wichtigen Handelspartnern. Red.
 

 

Beelitz  2018 08 29

Modische Akzente im Schulalltag - mit Taschen aus fairem Handel
 
Der alte Rucksack hat ausgedient: Die Achtklässler der beiden weiterführenden Schulen in Beelitz setzen im Alltag jetzt eigene Trends - mit selbst entworfenen und handgefertigten Umhängetaschen aus fairem Handel. Im Unterricht hatten die Jugendlichen ihre Ideen skizziert und zusammengetragen, genäht wurden die Taschen in Südafrika. Das Projekt unter Federführung und Finanzierung der Stadt Beelitz fand im Zuge des laufenden Bewerbungsverfahrens um den Titel „Fair Trade Town“ statt. Dazu gehört auch Bildungs- und Informationsarbeit zum Thema „Fairer Handel“. Und die ist besonders nachhaltig, wenn die Schüler das praktische Beispiel jeden Tag mit sich tragen, sagt Projektkoordinator Michael Steinland.

Jetzt sind die Taschen über den langen Seeweg vom Kap der Guten Hoffnung nach Deutschland in Beelitz angekommen. Während jene des Sally-Bein-Gymnasiums einheitlich in den Schulfarben Blau, Rot und Weiß gehalten sind, bestechen jene der Solar-Oberschüler durch viele verschiedene Farben und mit dem sichtbaren Schriftzug der Schule auf dem Überschlag. Welches Fach wo sitzen muss und was hineinpassen soll, hatte man sich im Vorfeld gut überlegt.
 
Gefertigt wurden die Umhängetaschen aus Werbebannern, die vor allem im Zuge der Fußball-WM 2010 in Südafrika zu Hauf angefallen sind. „Ein so umfassendes Recycling-System wie bei uns gibt es dort nicht, dennoch sind die Planen kein Abfall, sondern ein Rohstoff“, erläuterte Steinland die Idee hinter dem Projekt den Schülern. Eine weitere ist die Unterstützung der armen Bevölkerung in dem wirtschaftlich immer noch gespaltenen Land, denn die Taschen sind in den Townships von Kapstadt von freiberuflichen Näherinnen hergestellt worden, die mit der Arbeit ihren und den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten.
 
Wie das Projekt vor Ort zustande kam, erfuhren die Schüler aus erster Hand – per Videotelefon-Verbindung nach Kapstadt. Dort hat der gebürtige Potsdamer Peter Kirsten das Label „Re-Load. Bags for the World“ bereits vor mehreren Jahren etabliert. Das unterstützt – auch mit dem Erlös der Beelitzer Taschen – den Bau eines Kindergartens. Fünf Näherinnen sowie zwei weitere Mitarbeiterinnen für Zuschnitt und Reinigung sind mit der Produktion beschäftigt, berichtete Kirsten  den Schülern. Pro Woche könnten so bis zu 120 Taschen hergestellt werden. Die Arbeitszeiten sind klar geregelt, pro Tag verdient eine Näherin – auch das wollten die Schüler wissen - zwischen 20 und 30 Euro, was für dortige Verhältnisse relativ viel sei.
 
Die Schüler indes sind in erster Linie stolz auf ihre eigene Designer-Arbeiten. Der Fair-Trade-Gedanke, also Ressourcen zu schonen und Produzenten auch in ärmeren Ländern an wirtschaftlichen Erlösen zu beteiligen, schwingt dabei aber immer mit. Zumal neben den Taschen selbst auch Grüße von den Herstellerinnen in Beelitz angekommen sind – per „What’s App“: „Sheila, Beverly, Lorna, Wasiema und ich, Vanessa, sind stolz und glücklich, dass unsere Arbeiten bei Euch angekommen sind. Mit Eurer Bestellung habt Ihr mit dafür gesorgt, dass unser Leben und das unserer Enkel besser wird.“

Foto: die Beelitzer Schülerinnen Lea, Leni und Anna vom Sally-Bein-Gymnasium mit ihren neuen Taschen aus fairem Handel.

Text und Bilddatei © Thomas Lähns
Pressesprecher der Spargelstadt Beelitz

 

 

 

Fair-Handlungssache

Informationen aus unserer Stadt 28. Jahrgang | Nr. 10 | 22. November 2017 BN

Als zweite Stadt Brandenburgs nach Eberswalde will Beelitz „Fairtrade-Town“ werden

Der Preisunterschied gar nicht so groß, wie mancher es erwarten mag: Für knapp sieben Euro erhält man bereits ein Kilo Fairtrade-Kaffee. Der schmeckt vielleicht nicht immer anders als herkömmlicher - aber man kann die Herkunft der Bohnen genau zurückverfolgen. Und man hat die Gewähr, dass Anbau, Ernte und Weiterverarbeitung unter menschenwürdigen Bedingungen erfolgt sind. Genau so ist es auch mit Textilien, Blumen, Gewürzen und vielen anderen Produkten, die das Fairtrade-Siegel tragen. Die Stadt Beelitz will sich der internationalen Bewegung, die den sogenannten „fairen Handel“ vor allem mit Ländern in der Dritten Welt fördert, anschließen und als zweite Stadt in Brandenburg den Titel „Fairtrade-Town“ erwerben. Bislang darf sich nur Eberswalde so nennen. Dabei bedarf es gar nicht viel, um auf diesem Wege ein Zeichen zu setzen:

Unter anderem müssen Fairtrade-Produkte in öffentlichen Einrichtungen angeboten werden, mindestens fünf Gewerbetreibende - Maßstab ist die Einwohnerzahl - müssen ebenfalls jeweils zwei Erzeugnisse mit dem grün-blauen-Siegel in ihrem Sortiment haben. Zudem soll es Projekte in den Bildungsstätten geben. Die institutionellen Voraussetzungen hat die Stadt indes bereits geschaffen:

Ein Beschluss, dass Beelitz sich beim Verein „Fairtrade Deutschland“ um den Titel bewirbt, ist durch die Stadtverordnetenversammlung bereits im September gefasst worden - einstimmig. Mittlerweile hat sich auch die Steuerungsgruppe mit Vertretern aus Gewerbe, Kirche, Politik und Verwaltung, die den Bewerbungsprozess begleitet, konstituiert. Die fachliche Leitung hat Michael Steinland übernommen, der als Projektkoordinator seit diesem Jahr für Beelitz im Einsatz ist. Die Stelle wird vom Bund gefördert. „Die Bundesregierung verfolgt den Ansatz, nicht mehr allein und exklusiv Entwicklungshilfe zu betreiben“, erläutert Steinland. Mittlerweile habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch Kommunen einen wesentlichen Beitrag leisten könnten, wenn sie mit Partnern in der Dritten Welt zusammenarbeiten.

Einen ersten Ansatzpunkt für eine solche Zusammenarbeit gibt es bereits: Ende August hatte die Botschafterin der lateinamerikanischen Republik Nicaragua die Spargelstadt besucht und den Erfahrungsaustausch mit einer landwirtschaftlich geprägten Region in ihrem Heimatland vorgeschlagen. Dieser Vorschlag soll in nächster Zeit weiterverfolgt und - idealerweise - auch im Hinblick auf eine Beelitzer Landesgartenschau 2022 mit konkreten Projekten untersetzt werden.

Zunächst sollen jedoch erst einmal weitere Mitstreiter in der Spargelstadt selbst gefunden werden, die sich der Fairtrade-Idee anschließen - in den Vereinen, in der Wirtschaft und der Bürgerschaft insgesamt. Red.

© TransFair e.V. / Fotograf: Ilkay Karakurt
© TransFair e.V. / Fotograf: Ilkay Karakurt