WASSERMÜHLE

Lisa Heese - Museumsmitarbeiterin der Stadt Beelitz
Lisa Heese - Museumsmitarbeiterin der Stadt Beelitz

 

 

Beelitz    28.02.2022

 

Der virtuelle Weg vom Korn zum Mehl

Im neuen Museum in der Wassermühle Beelitz wird der Weg vom Korn zum Mehl digital nachvollziehbar. Stationen laden zum Mitmachen ein und verdeutlichen die Vorgänge in der Mühle und die Entwicklung der Mühlentechnik.

 

Die historische Technik hat beachtliche Dimensionen: Über drei Etagen plus Keller verbreiten sich in der Beelitzer Wassermühle, die derzeit zum Mühlenmuseum umgebaut wird, Treibriemen, die eine Vielzahl alter Maschinen zur Kornverarbeitung antreiben. Ob Mühlsteine, Walzen mit verschiedenen Riffelungen oder Siebe mit unterschiedlichen Feinheitsstufen – es ist nicht einfach, angesichts der vielen Maschinen und Förderbänder nachzuvollziehen, wie genau hier über Jahrhunderte ein Getreidekorn zu Mehl, Gries oder Schrot verarbeitet wurde. Damit die künftigen Mühlenbesucher die Vorgänge anschaulich nachvollziehen können, ist ein digitales Museumskonzept mit Animationen und Mitmachstationen entwickelt worden.

 

„In einem Museum einfach nur eine Informationstafel neben die nächste zu hängen, erschien uns nicht mehr zeitgemäß. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt, wie wir die Abläufe und Informationen digital veranschaulichen können, und gemeinsam mit kompetenten Partnern umgesetzt“, sagt Lisa Heese, Museumsmitarbeiterin der Stadt Beelitz, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Justine Remus die Pläne erstellt hat und umsetzt.

 

Wer künftig vor den Maschinen steht, kann auf einem Touchscreen die Animation der Vorgänge in der Mühle starten und den Weg des eingeworfenen Korns genau verfolgen. Das Video, in dem der gesamte Mahlprozess beschrieben wird, dauert etwa vier Minuten. Zu jedem Verarbeitungsschritt wird neben der Animation auch ein kurzes Video gezeigt, welches die entsprechende Maschine real bei der Arbeit zeigt. „Auch Einblicke von oben oder von der Rückseite sind so möglich geworden. Der Mahlprozess ist für die Besucher jetzt viel besser nachvollziehbar, als wenn sie nur die Maschinen in Aktion sehen würden“, so Lisa Heese. Natürlich lassen sich die Visualisierungen der einzelnen Verarbeitungsschritte auch direkt anwählen. Nach jedem Schritt können Betrachter wählen, ob sie weitere Informationen zu diesem Punkt erhalten oder im Verarbeitungsprozess des Korns fortfahren wollen.

 

Da die Technik ohnehin nur im Rahmen einer Führung eingeschaltet wird – durch die offenen Treibriemen wäre sonst die Verletzungsgefahr zu groß –, und aus hygienischen Gründen auch kein Korn mehr gemahlen wird, sind die Videos die ideale Möglichkeit, um nachzuvollziehen, wie an dem Standort über Jahrhunderte gearbeitet wurde. An einer Mitmachstation können die Besucher zudem selbst zugreifen, und dabei Informationen zu anderen getreideverarbeitenden Berufen erhalten: Wer eine bereitliegende Mehltüte zur Station trägt, erhält Informationen zum Bäckerhandwerk. Wird stattdessen eine historische Bierflasche zum Sensor bewegt, werden Informationen zum Brauerhandwerk angezeigt.

 

In die Geschichte tauchen die Besucherinnen und Besucher des Museums auch an einer Hörstation ein: Vier Personen, die stellvertretend für Müller und Müllerinnen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert stehen, erklären dort die Tücken ihres Alltages. Lisa Heese: „Sie erzählen davon, wie hart die körperliche Arbeit war, wenn man täglich mit vielen Kilogramm schwere Korn- und Mehlsäcke hantieren muss. Außerdem erklären sie die Brandgefahr, die besonders in den ersten Jahrhunderten hoch war, als der Mehlstaub noch mehr oder weniger unkontrolliert in der Luft lag. Und auch die Besonderheiten, denen eine Müllerin bei der Arbeit in einer Ackerbürgerstadt ausgesetzt war, werden erörtert.“  

 

Das Projekt der Museumsdigitalisierung hat insgesamt knapp 34.000 Euro gekostet, von denen rund 25.000 Euro im Rahmen des „Soforthilfeprogramms Heimatmuseen und landwirtschaftliche Museen 2021“ des Deutschen Verbandes für Archäologie (DVA) gefördert wurden. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 

Darin enthalten ist als wichtiger Baustein auch eine Digitalisierung des Museums und seines Inventars: Auf der Plattform Museum digital sind Fotos und Kurzbeschreibungen der Ausstellungsstücke online. Die Fotos stammen vom Potsdamer Fotografen Michael Lüder, die Beschreibungen vom Potsdamer Team der Kreativköpfe, die sich der Raum- und Ausstellungsgestaltung widmen.

 

Die digitale Erfassung aller Ausstellungsstücke ermöglicht es künftig auch, Museumsarbeit durchzuführen, wenn das physische Museum geschlossen bleiben muss – wie im Lockdown im Zuge der Covid-19-Pandemie. Zudem wird mit der digitalen Zusammenstellung auch die Planung von Ausstellungen vor Ort einfacher, da die Planer einen besseren Überblick über den Museumsbestand haben.

 

„Mit der digitalen Offensive macht die Beelitzer Museumslandschaft noch einmal einen großen Sprung nach vorn. Das Mühlenmuseum wird mit seinen vielfältigen Installationen eine neue, dauerhafte Attraktion für die Stadt auch über die Landesgartenschau, zu der es eröffnet wird, hinaus“, so der  Beelitzer Bürgermeister und LAGA-Geschäftsführer Bernhard Knuth. Rund 2,4 Millionen Euro wurden in Kauf und Sanierung des seit den 1970er Jahren nicht mehr genutzten Mühlenhauses, dessen Technik zunächst durch ein Wasserrad und seit den 1960er Jahren elektrisch angetrieben wurde, investiert. Die Investition wird vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung aus Mitteln des Denkmalschutzes gefördert.

 

Damit entsteht auch für die jüngsten Beelitzer ein neues Highlight: Im Obergeschoss der Mühle ist ein museumspädagogischer Bereich untergebracht, in dem auch Kita-Gruppen und Schulklassen das Müllerhandwerk erklärt wird. Dieser Punkt war den Planern besonders wichtig: In den unteren Geschossen ist der Raum durch die historische Technik und die anderen Ausstellungsstücke begrenzt und die Arbeit mit Gruppen nur eingeschränkt möglich. Mit dem Konzept können Kinder nun zuerst die Technik sehen und an Mitmachstationen etwa in einer im Boden eingelassenen Wage erfühlen, wie schwer Gewichte wirklich zu heben sind. So können sie schon Eindrücke sammeln, bevor die Gruppenarbeit überhaupt beginnt.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Enrico Bellin

 
Landesgartenschau Beelitz gGmbH
Pressesprecher,
Verkehrsbeauftragter
Berliner Straße 202
14547 Beelitz

 

E-Mail: bellin@laga-beelitz.de

Telefon: (033204) 391270

Internet: www.laga-beelitz.de

 

 

www.museen-beelitz.de

 

 

 



Mühlenbauer Jürgen Hein (l.) und Uwe Schmidt
Mühlenbauer Jürgen Hein (l.) und Uwe Schmidt

 

Beelitz  22.10.2021

 

Jahrhunderte alte Mühlengeschichte wieder erlebbar


Die Technik der Beelitzer Wassermühle ist für den Museumsbetrieb hergerichtet. Ein ansehnliches Gewirr aus Riemen und Zahnrädern sorgt dafür, dass über drei Stockwerke hinweg Quetschen, Mahlsteine, Walzen und Förderbänder in Bewegung sind.
 

 

Es rattert ordentlich in der Beelitzer Wassermühle, als Mühlenbauer Uwe Schmidt den Motor anstellt: Zahnräder beginnen zu knarzen, Treibriemen bewegen sich und setzen Mahlwerke und Quetschen in Gang, die zum Großteil seit mehr als hundert Jahren in den Mauern am Rand der Beelitzer Altstadt stehen. Über drei Etagen erstreckt sich die Technik, die Getreidekörner zu Flocken, Grieß oder Mehl verarbeitet. Seit Februar 2020 haben Uwe Schmidt und Jürgen Hein die Mühlentechnik, die seit 1974 stillgelegt war, saniert – jetzt ist die technische Abnahme der Maschinen erfolgt. Aus der Wassermühle wird das Beelitzer Mühlenmuseum, das rechtzeitig zu Beginn der Landesgartenschau im April 2022 eröffnet werden soll.

Erste Erwähnungen einer Wassermühle an dieser Stelle reichen ins Jahr 1416 zurück. Das heute noch stehende Gebäude, das derzeit zum Museum umgebaut wird, wird erstmals 1745 urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte wurden die Mühle mit einem großen Wasserrad betrieben, welches vom Mühlenfließ vor der Mühle angetrieben wurde. 1960 wurde die Mühle dann auf Elektrobetrieb umgestellt, das Mühlenfließ und der benachbarte Mühlenteich, in dem das Wasser der Nieplitz aufgestaut wurde, wurden zugeschüttet. Im im Zuge der Landesgartenschau in diesem Jahr wieder angelegten Mühlenteich sprudelt inzwischen eine Fontäne, in Anlehnung an das Mühlenfließ ist auf 200 Metern Länge ein Bachlauf entstanden. Und nun ist auch die Sanierung der Wassermühle einen großen Schritt vorangekommen.
 

  
„Am Anfang haben wir die Technik ausgebaut und das Haus, wo es nötig war, entkernt. Balken mussten gewechselt werden, der Fußboden wurde erneuert“, beschreibt Uwe Schmidt. Die Maschinen wurden zeitgleich in speziellen Werkstätten aufgearbeitet. Als der Boden fertig war, konnten die überarbeiteten Kornwalzen, die Quetsche und das Steinmahlwerk wieder ins Erdgeschoss einziehen. „Die Maschinen geben dann jeweils das Nächste vor“, so der Mühlenbauer. Als sie standen, wurden die neuen Holztrichter angebaut sowie die Holzgänge, durch die das Korn fällt. Auch die spezielle Siebvorrichtung im Dachgeschoss – ein gut zwei Meter breiter rechteckiger Kasten, der Kreisbewegungen vollführt und dadurch die verschiedenen Bestandteile des gemahlenen Korns aussiebt – wurde wiederhergerichtet.

Bewusst ist dabei zu sehen, wo die hunderte Jahre alten Holzbalken erhalten wurden und wo neu gebaut wurde. Das neue Holz ist deutlich heller. Der Besucher soll später erkennen, was alles wiederhergerichtet werden musste. Bei der Restaurierung wurde jedoch auf historische Genauigkeit geachtet: Moderne Kreuzschrauben sucht man an den Konstruktionen vergebens. „Hier hat der Mühlenbauer wirklich mit viel Liebe und Akribie gearbeitet. Ecken wurden abgerundet, Zierleisten angebracht. Und an Stellen, an denen Schmierfett von Rädern und Walzen tropfen könnte, sind kleine Auffangschalen befestigt“, sagt die Projektsteuerin Sigrid von der Heiden von der Gesellschaft Stadtkontor. Sie koordiniert die verschiedenen Gewerke, die dafür sorgen, dass im April 2022 nicht nur das Mühlenmuseum eröffnet werden kann, sondern in der Remise der Wassermühle auch Kunstausstellungen und ein Café die LAGA-Besucher zum Verweilen einladen. Der Museumsbesuch ist im Gartenschauticket inbegriffen.
  

 

Rund 2,4 Millionen Euro kostet die Sanierung der Mühle inklusive der Mühlentechnik, die Kosten werden vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) Brandenburg aus Mitteln des Denkmalschutzes gefördert. „Mit der Wiederentstehung der Wassermühle gewinnt die Stadt einen weiteren Höhepunkt hinzu. Mit der Nutzung der Remise als Kunsthof entsteht ein Treffpunkt für Kunstschaffende des Landes. In der Mühle selbst wird die mehr als tausend Jahre alte Stadtgeschichte wieder lebendig“, so der Beelitzer Bürgermeister und LAGA-Geschäftsführer Bernhard Knuth.

Wenige Geräte wie etwa die Schälmaschine, die das Korn von den Spelzen befreit, stammen ursprünglich aus anderen Mühlen Brandenburgs. Denn genaue Aufzeichnungen darüber, welche Technik außer der bis zuletzt im Gebäude befindlichen in Beelitz im Einsatz war, gibt es nicht. „So, wie die Technik jetzt hier steht, funktioniert sie als Einheit. Alles andere wäre ein Blick in die Glaskugel“, sagt Torsten Rüdinger von der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg. Er hat die Beelitzer Museumsmacher bei der Ausstattung der Mühle beraten. Rüdinger selbst betreibt die historische Mühle am Schloss Sanssouci in Potsdam.

Und das ist nicht die einzige Verbindung, die die Beelitzer Mühle mit der von Sanssouci hat: Rund 150 Jahre lang hat die Müllerfamilie Vogel die Beelitzer Wassermühle betrieben. Carl Friedrich Vogel hatte 1764 eine Mühle am Schloss Sanssouci gekauft, für die Beelitzer Müller wurde auch nach holländischem Vorbild im Jahr 1790 die heute noch am Schloss stehende Mühle errichtet.

Das Leben der Familie Vogel soll künftig im Mühlenmuseum vorgestellt werden, ebenso wie die Technik. Die läuft im Museum im Schaubetrieb ohne Korn, da sich ansonsten bei nur gelegentlichem Mahlen Schimmel in den historischen Geräten bilden könnte. In Animationen wird jedoch künftig gezeigt, welche Wege das Korn in den einzelnen Geräten und im gesamten Verarbeitungsprozess zurücklegt. Und damit kleine Museumsbesucher auch durchs Anfassen Lernerlebnisse haben, wird an den noch im Boden eingebauten Wagen durch verschiedene Gewichte verdeutlicht werden, welche Lasten die Müller früher bewegen mussten. Daneben ist ein kleiner „Luxus“ der damaligen Zeit ersichtlich: Über eine Kettenvorrichtung an einer Tür im ersten Obergeschoss konnten Kornsäcke von der Mühlenstraße aus in die Mühle gezogen und Mehlsäcke abgelassen werden. Auch diese Kette wird durch die ausgeklügelte Riementransmission angetrieben.

 

Enrico Bellin


Landesgartenschau Beelitz gGmbH
Pressesprecher,
Verkehrsbeauftragter
Berliner Straße 202
14547 Beelitz

 

 

Download
PMWassermühle.pdf
Adobe Acrobat Dokument 359.0 KB

 

März 2021

 

 

 

April 2021

 

 

 

September 2021

 

 


 

Oktober 2021

 

 

siehe auch

Mühlrad