Beelitz - Streuobstwiese

Willkommen im Leben – Willkommen in Beelitz! Wird ein Kind geboren, ist die Freude groß, aber die frischgebackenen Eltern stehen plötzlich vor einer neuen Lebenssituation, die sie viel Kraft kostet und sie vor bislang unbekannte Herausforderungen stellt. In Beelitz werden junge Mamas und Papas mit ihren Fragen und Sorgen aber nicht allein gelassen: Seit 2010 gibt es den Babybegrüßungsdienst. Die Eltern erhalten nach der Geburt ihres Kindes einen Informationsbrief zu diesem freiwilligen Angebot. Bei Interesse bekommen die Eltern in der Zeit, in der ihr Kind 8 bis 10 Wochen alt ist, eine Einladung für den Babybegrüßungsdienst zugeschickt.

Im Namen der Stadtverwaltung besucht Regina Breyer, die als Lehrerin und Schulleiterin jahrzehntelang in Beelitz aktiv war, nach vorheriger Terminabsprache dann die Familien. In einem vertrauensvollen Gespräch erläutert sie den Eltern, wo sie welche Unterstützung bekommen können. Nach mehr als 700 Hausbesuchen ist die sympathische Baby-Begrüßerin bereits gewappnet: Die meistgestellten Fragen der Eltern beziehen sich auf Kindertagesstätten, Schulen, Ärzte sowie Freizeitangebote, Wohnraum und den öffentlichen Personennahverkehr. Alles in Ruhe zum Nachlesen enthält ein Ordner mit Informationen rund um die Einwicklung des Kindes und zur Gesundheit, eine Übersicht über Betreuungs- und Freizeitangebote, wirtschaftliche Hilfen und Wissenswertes über die Stadt Beelitz und ihre Ortsteile. Auf einem Fragebogen können sie darüber hinaus ihr Urteil zur Infrastruktur der Stadt abgeben und Wünsche äußern, denn Beelitz möchte, dass sich die Familien hier wohlfühlen und bleiben.

Dem nicht genug, beglückt Regina Breyer jede Familie mit einem prall gefüllten, individuell genähten Beutel, in dem ein liebevoll gefertigtes Spielzeug und ein „Schnuppeltuch“ enthalten sind. Außerdem entbieten etliche Geschäftsinhaber und Vereine dem neuen Erdenbürger ihren ganz eigenen Willkommensgruß. So stiftet der Buchladen von Michaela Loth ein Märchenbuch und das Autohaus Schneider ein Erste-Hilfe-Set für Kinder. Von Strick-Omis liegen kleine Söckchen bei. Gutscheine spendieren die ortsansässigen Apotheken „Asparagus“ und „Adler“, das Fotoatelier Ina Kretschmer, das Familienzentrum, die Frisiersalons Reinsch, die Firma Elektro Spahn, „Fit dank Baby“ mit Larissa Krüger und Kathrin Kolberg von „Bellymasks“ für Fuß-/Handabdrücke des Kindes. Die Sportgemeinschaften Beelitz und Fichtenwalde steuern jeweils einen Mitglieds-Gutschein für ein Jahr bei sowie die Schwimmschule in Beelitz-Heilstätten einen für einen Babyschwimm-Kurs. Die Bäckerei Exner sponsert einen Tortengutschein für den 1. Geburtstag in den Begrüßungsbeutel der Stadt.

Mit einem besonderen Schmankerl ehrt Beelitz zusätzlich seine neuen kleinen Köpfchen: Jährlich zum Weltkindertag am 20. September können Eltern ein Obstbäumchen für ihr Neugeborenes auf einer Streuobstwiese pflanzen und ihm damit auch symbolisch Wurzeln in seiner Heimatstadt verleihen. An dem Bäumchen werden der Vorname und das Geburtsdatum des Kindes verewigt, sodass es auch später als Erwachsener noch seinen Baum findet und Obst ernten kann. Außerdem schicken Eltern zu diesem Anlass gemeinsam von der Wiese aus Luftballons gen Himmel, an denen Grußkarten angebracht sind, die dessen Finder mit Wünschen für den Nachwuchs gern nach Beelitz zurückschicken kann. Mehrere Familien in der Spargelstadt konnten sich sogar schon über Post aus Polen freuen. xxx2

beelitz.de
 

Der Zwilling am Ackerrand

 

Informationen aus unserer Stadt 28. Jahrgang | Nr. 5 | 27. Mai 2020 BN

Viele Hundert Obstbäume sind in den vergangenen Jahren rund um Beelitz für Neugeborene gepflanzt worden.

Der Pomologe Hans-Georg Kosel hat jetzt die Pflege übernommen

Für jedes Baby einen Baum:

In den vergangenen zehn Jahren sind an mehreren Stellen im Beelitzer Stadtgebiet Streuobstwiesen und Alleen angelegt worden, immer zum Weltkindertag am 20. Sep-tember kommen neue Gehölze hinzu. Mittlerweile sind es schon um die 700 Obstbäume, welche die Stadt für jeden Neugeborenen gesponsert und gemeinsam mit den Familien gepflanzt hat. Die Pflege wird von den Eigentümern ganz unterschiedlich gehandhabt, die einen betreiben mehr, die anderen weniger Aufwand. Fakt ist aber: Gießen allein reicht nicht.

„Mit den Bäumen haben die Familien zu ihrem eigenen Kind ein weiteres dazubekommen, quasi einen Zwilling, der hier draußen wächst“, sagt Hans-Georg Kosel. Und der brauche in den ersten zehn Jahren ebenfalls besonders viel „Erziehung“ und Zuwendung. Kosel ist ausgewiesener Experte, was Obst-, und vor allem Apfelbäume angeht. Der Oranienburger beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit Obstbäumen, hat sein Herz vor allem an die alten Sorten verloren. Im Auftrag übernimmt er die Pflege und auch Revitalisierung von Gehölzen. Kosel ist auch Vorsitzender des Brandenburgischen Landesverbandes im Deutschen Pomologen-Verein und gibt Seminare an der Brandenburgischen Lehr– und Versuchsanstalt für Garten-bau und Arboristik (LVGA). Er hat sich im Auftrag der Stadt die Beelitzer Patenbäumchen angeschaut und den sogenannten Erziehungsschnitt übernommen.

„Wir möchten, dass die Kinder auch noch in vielen Jahren Freude an ihren Bäumen haben – und auch reichlich Obst ernten können“, erklärt Bürgermeister Bernhard Knuth, der 2010 zur ersten Pflanzaktion geladen hatte und seitdem jedem Kind in Beelitz auf diese Weise neben den symbolischen auch tatsächliche Wurzeln verleiht. „Deshalb ist es sinnvoll, dass jemand mit Fachwissen zu Werke geht und die Bäumchen fit für die nächsten Jahre macht.“ Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Landesgartenschau 2022 könne sich die Stadt damit noch blühender und, wenn die Früchte reifen, besonders vital den Be-suchern präsentieren.

Auf den Pomologen, der bereits an der Obstbaumallee nahe der Beelitzer Bockwindmühle im Einsatz war, wartet viel Arbeit: Von den hundert Bäumen, die dort wachsen, würden nur fünf tadellos aussehen, schätzt er. Normalerweise müssten die Äste in den ersten zehn Jahren um ein Drittel gekürzt und strukturiert werden, damit sie kräftige Triebe bilden können. „Die Krone ist das Spiegelbild der Wurzel, und die ist in den ersten Jahren auch noch nicht sehr umfangreich.“ Wenn der Baum gut geschnitten ist, dann kann er auch Reserven und Nährstoffe anlagern und ist bei großer Trockenheit nicht so anfällig. „Er sollte in den ersten Jahren aussehen wie eine Klobürste. Zwar soll er dann noch keine Früchte bilden, hat aber dadurch mehr Kraft, um zu wachsen“, erläutert der Experte.

Auch die Baumscheiben müssten gepflegt werden. Während der Arbeiten stößt Kosel auf verkrautete Scheiben oder auf solche, auf denen Steine ange-häuft wurden. Für die Pflanze sei das alles andere als gut. Zudem brauche der Baum in den ersten drei Jahren auch alle vier Wochen in der Vegetation zwei Kannen Wasser. Nach zehn Jahren erst ist der Erziehungsschnitt abgeschlossen und der Baum muss - je nach Art und Sorte - nur noch jedes dritte bis siebente Jahr zurückgeschnitten werden.


„Bis in die 1970er Jahre wussten die meisten noch, wie Obstbäume gepflegt werden“, erklärt der Pomologe, vor allem draußen auf dem Lande. Dieses Wissen sei jedoch im Laufe der Zeit abhanden gekommen. Allerdings gehe der Trend mittlerweile auch wieder weg vom reinen Ziergarten hin zum Nutzgarten, in dem auch Obst und Gemüse angebaut wird. „Gerade jetzt in der CoronaKrise merkt man, dass sich die Leute darauf zurückbesinnen. In den Baumschulen waren Obstbäume bisweilen restlos ausverkauft.“

Diesen Trend unterstützt Hans-Georg Kosel, indem er im Pomologen-Verein zusammen mit anderen Experten Interessierte zum Obstbaumwart ausbildet. Das können Gärtner oder Landwirte sein, die ihre Expertise erweitern wollen, oder auch Ehrenamtliche, die zum Beispiel für einen Verein die Baumpflege übernehmen wollen. In fünf Modulen an mehreren Wochenenden über das Jahr verteilt erhält man theoretische und praktische Kenntnisse, die Ausbildungsorte sind die Standorte der LVGA in Großbeeren und Blankensee. Zum Schluss gibt es eine Prüfung und - nach Bestehen - auch ein Zertifikat.

Auch die Laga werde ein gutes Forum, um das Interesse an Obstbäumen weiter zu fördern, ist sich Kosel sicher. In Beelitz selbst ist es ungebrochen - durch die Verbindung der Kinder zu ihren Patenbäumen. An vielen der nun schon fünf-jährigen Gehölze nahe der Bockwind-mühle, aber auch an den anderen Stand-orten im Stadtgebiet, hängen Ostereier, und auch das Gießen übernehmen dieser Tage viele Familien regelmäßig. Falls trotzdem ein Baum eingegangen ist, so wird durch die Stadt Ersatz geschaffen, kündigt Bürgermeister Knuth an. Red.

Weitere Infos auf
www.pomologen-verein.de

 

 

 

 

Neugierig krabbelt Lenn Erik auf den frischen Erdaushub und blickt über die Kante:

 

Informationen aus unserer Stadt 27. Jahrgang | Nr. 09 | 27. Oktober 2016 BN

 

Was Papa da wohl gerade macht? Jörg Elfert pflanzt einen Baum für seinen Sprössling, eine Süßkirsche. Und die soll – genauso wie „Lennie“ – in Beelitz ihre Wurzeln schlagen. „Es ist eine tolle Aktion“, findet der Familienvater aus Fichtenwalde, während er das Pflanzloch füllt und mit dem Sohnemann, dessen Mama und der großen Schwester die Erde feststampft. 50 Familien sind am Weltkindertag am 20. September auf die alte Alleestraße zwischen den Beelitzer Ortsteilen Schönefeld und Elsholz gekommen, um hier Obstbäume für ihre Jüngsten zu pflanzen. Neben Kindern und Eltern sieht man auch viele Großeltern, die selbst mit Hand anlegen und die symbolträchtigen Gehölze, die mit den Namen der kleinen Paten versehen worden sind, in die Erde bringen. Lennie, Henrik, Ronja, Oskar, Lina und all die anderen sollen auch in Zukunft hier vorbeischauen, das Obst ernten und vielleicht im Schatten ihres eigenen Baumes an eine unbeschwerte Kindheit in Beelitz zurückdenken.

Gesponsert hat die Bäume die Stadt: Seit mittlerweile sechs Jahren gibt es diese Aktion im Rahmen des Baby-Willkommensdienstes, der frischgebackene Eltern im Stadtgebiet nicht nur auf Wunsch besucht und berät, sondern sie auch mit solchen Gesten an Beelitz binden möchte. „Unsere Familien sollen wissen, dass wir für sie da sind und dass sie uns am Herzen liegen“, sagt Bürgermeister
Bernhard Knuth, der gemeinsam mit der ehrenamtlichen „Baby-Beauftragten“ Regina Breyer und Ortsvorsteherin Karin Höpfner die Schenkungsurkunden übergibt.Neben den 50 Eltern, die hier am Nachmittag im Einsatz sind, waren bereits am Vormittag zwölf weitere Familien auf die vor zwei Jahren angelegte Streuobstwiese in der Treuenbrietzener Straße gekommen, um diese mit ihren Bäumen zu komplettieren.

Mittlerweile gibt es vier Standorte, an denen Spaziergänger sehen können, wie kinderreich die Spargelstadt ist: Am südlichen Ortseingang an der Wassermühle, gegenüber im Bereich der Kleingärten sowie an der Pilgerstrecke von Schlunkendorf nach Beelitz im Schatten der Bockwindmühle.

Für einen feierlichen Rahmen der Aktion sorgt der Frauenchor Beelitz – aber an den Bäumen feiert jede Familie ihr eigenes kleines Ritual. Meistens sieht man die Väter buddeln, während die Mütter die Kinder halten. Fotoapparate werden gezückt, Wünsche ausgesprochen und manchmal einfach nur innegehalten. Als alle fertig sind, lassen die Familien gemeinsam Luftballons in den Himmel aufsteigen – mit Karten, auf denen der Finder seine Wünsche für die Familie schreiben kann. In diesem Jahr steigen sie besonders hoch – und dürften damit auch in fernen Gegenden vom Beelitzer Kindersegen künden.