BEELITZ

INFORMATIONEN AUS DEM RATHAUS

Keine Veranstaltungen der Stadt mehr in diesem Jahr


Wegen der unsicheren Lage im Hinblick auf die Corona-Ausbreitung und der nach wie vor
gültigen Eindämmungsverordnung wird es bis Silvester keine Feste und Märkte geben

23. August 2020 BN Seite 3

Bernhard Knuth    Bürgermeister der Spargelstadt Beelitz
Bernhard Knuth Bürgermeister der Spargelstadt Beelitz



 

 

 

 

 

Spezialzement in 1055 Meter Tiefe

 

Beelitz / Buchholz   20. November 2020

von Antje Schroeder

Zwei Jahre Arbeit rund um die Uhr: Der mittelständische Spezialist für Untergrundgasspeicher, VNG Gasspeicher GmbH (VGS) baut derzeit seinen Untergrundspeicher in Buchholz zurück. Dazu holt das Unternehmen alle Innenrohre der 25 Bohrlöcher aus dem Boden raus und verfüllt sie nach allen Regeln der Kunst peu à peu von unten nach oben. „Wir wollen ordentlich vom Platz gehen“, sagt der für den Rückbau zuständige Projektleiter der VGS, Holger Rummel.

Schon 2015 hatte das Unternehmen beschlossen, den 1976 errichteten Speicher stillzulegen und die Anlagen zurückzubauen. Die Gründe seien wirtschaftlicher Natur gewesen, sagt Rummel. Der Speicher sei zu klein, dass sich eine für einen Weiterbetrieb notwendige Reinvestition lohnen würde. Nach 40 Jahren kämen derartige Anlagen an ihr Lebensende. Unterirdische Erdgasspeicher bilden eine Art Netzwerk, um Verbrauchsschwankungen auszugleichen und vor Engpässen in der Versorgung zu schützen. Die VGS betreibt vier Speicher in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen und gehört zum Gashandelskonzern Verbundnetz Gas. Die Muttergesellschaft ist ein europaweit tätiger Unternehmensverbund mit Hauptsitz in Leipzig und beschäftigt in den mehr als 20 Gesellschaften 1200 Mitarbeiter.

Zwischen 300 und 1055 Meter tief sind die Bohrlöcher in Buchholz – hunderte Meter unter dem Grundwasser. Sie zu verschließen, ist aufwändig, da hierfür Spezialzement verwendet und zwischendurch immer wieder Druck- und Dichtigkeitstests durchgeführt werden müssen. Hochgradige Spezialisten sind dafür am Werk – zehn bis 15 Personen am Bohrloch und weitere zehn Leute, die Zufahrten und Platzbauten errichten. „Wir kippen nicht einfach was rein und machen oben einen Deckel drauf“, sagt Rummel. Im August hat die VGS mit den Arbeiten begonnen. Dafür war ein umfangreiches Genehmigungsverfahren bei der zuständigen Landesoberbehörde, dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg notwendig. Das letzte Gas ist in Buchholz im Jahr 2018 aus dem Speicher geholt worden.

Bohrung für Bohrung arbeiten sich die Spezialisten vor. Das zweite Bohrloch an der B2 ist schon fast verschlossen. Um einfache Bohrlöcher „bergbaulich zu verwahren“, wie es im Fachjargon heißt, brauchen Rummels Leute 30 Tage, bei komplizierteren können es schon mal zwei Monate werden. Bis November 2022 sollen sich die Arbeiten hinziehen. Die Fachleute sind an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr im Einsatz. Nur im Dezember und im Januar will Rummel eine Ausnahme machen – wenn die beiden Bohrlöcher in der Nähe von Salzbrunn rückgebaut werden. Um Lärmbelästigungen für die Anwohner – durch das Klackern der Rohre und die Dieselgeneratoren – zu vermeiden, werde man dort nicht nachts arbeiten, sagt Rummel. Am Ende wird der Boden über dem Speicher, aus dem bisher noch kleine Gasköpfe – ähnlich wie Hydranten – herausgucken, wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

Im Untergrund von Buchholz war Erdgas in einem so genannten „Porenspeicher“ gelagert worden. Das Gas wurde dazu in das Porengestein unterhalb der Deckschickt gepresst und verdrängte damit Wasser. Mit der Zeit kam das Wasser zurück und drückte das Gas wieder hinaus. Der Speicher in Buchholz konnte bis zu 175 Millionen Kubikmeter Gas speichern – ein Volumen, das ausreichte, um 30.000 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. In den letzten Jahren waren an dem Standort Buchholz bis zu zehn Menschen beschäftigt.

Der Ortsvorsteher von Buchholz, Torsten Boecke, sieht den Rückbau deshalb mit einem weinenden Auge. „Es ist ein Stück Geschichte, das Buchholz mitgeprägt hat.“ Seine Frau habe dort noch als Kind in der Ferienarbeit Rohre gestrichen. Das Unternehmen sei auch als Sponsor aufgetreten, beispielsweise für Fußballtore. Es seien einige Buchholzer dort beschäftigt gewesen. Zu der unternehmerischen Entscheidung könne er nichts sagen, sagt Boecke. Mit dem Rückbau des Untergrundspeichers werde jedoch nun der Wegfall eines Arbeitgebers „final besiegelt“, bedauert er. Antje Schroeder

20. November 2020

 

 

 

 

 

 

Markus Kolbe Bilddatei © Beelitzer Seniorenzentrum „Negen-danksland“ des Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin
Markus Kolbe Bilddatei © Beelitzer Seniorenzentrum „Negen-danksland“ des Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin

 

Wir haben gelernt, ruhig zu bleiben

 

Die Corona-Maßnahmen treffen die Seniorinnen und Senioren in den Wohnheimen besonders hart. Im Beelitzer Seniorenzentrum „Negen-danksland“ des Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin versuchen alle, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen. Von Corona-Fällen ist das Haus bisher verschont geblieben.

Mit dem Leiter der Einrichtung, Pfarrer Markus Kolbe, sprach  Antje Schroeder.

 

Wie wollen Sie durch die Zeit des zweiten Lockdowns kommen?

Es ist eine Gratwanderung. Wir wollen unsere Bewohner so gut wie möglich vor einer Infektion schützen. Gleichzeitig möchten wir natürlich die Lebensqualität und auch das soziale Leben erhalten. Solange unser Haus nicht geschlossen werden muss, ermöglichen wir weiterhin Besuche.

 

Welche Einschränkungen gelten gegenwärtig im Seniorenzentrum Negendanksland?

Die Besuchszeit ist von 10:30 bis 17:30 Uhr und auf eine Stunde begrenzt. Die Angehörigen sollen sich einen Tag vorher telefonisch anmelden und am Eingang das Kontaktformular ausfüllen. Wir haben zudem die Abläufe angepasst. Die Bewohner müssen nicht mehr alle auf ihrem Zimmer essen, wie im ersten Lockdown, aber wir haben jetzt für das Essen kleinere Gruppen gebildet. In der einen Woche können die einen, in der anderen die anderen im Gemeinschaftsraum essen. Wir haben außerdem ein iPad, auf dem die Bewohner mit ihren Angehörigen über Facetime oder Skype kommunizieren können.

 

Ist die gerontopsychiatrische Tagesstätte geöffnet?

Sie ist mittlerweile wieder ganz normal geöffnet. Dort messen wir täglich bei allen Gästen Fieber und kontrollieren die Symptome. Es wird auch auf die Abstandsregeln geachtet und auf den Tischen stehen Plexiglas-Trennscheiben. Das war natürlich anfangs gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile gehen die Gäste ganz locker damit um. Neulich haben sie zum Beispiel so das Erntedankfest vorbereitet. Trotz der besonderen Situation sind die Stimmung und Atmosphäre fröhlich.

 

Wie stark leiden Ihre Bewohnerinnen und Bewohner unter der Corona-Krise?

Ich habe eher den Eindruck, dass vor allem die Angehörigen leiden. Die Bewohner selbst merken es natürlich, z.B. dass ihre Kinder nicht mehr so oft kommen können. Viele finden es auch schade, dass sie nicht den Geburtstag im Café verbringen oder mit ihren Familien hier unten im großen Saal feiern können. Aber die Vertreter des Bewohnerschaftsrats haben erst neulich gesagt: Tja, es ist eben jetzt eine schwierige Zeit, aber wir hoffen, dass es dann auch irgendwann durch ist. Und ganz ehrlich: Manche genießen auch die Ruhe.

 

Antigen-Schnelltests sollen die Bewohner von Altenheimen schützen. Sind diese in Ihrer Einrichtung mittlerweile verfügbar?

Wir haben sie bestellt und ich kann nur hoffen, dass die Firmen sie entsprechend schnell liefern können. Das dazu notwendige Testkonzept haben wir sofort erarbeitet und beim Gesundheitsamt eingereicht. Ein Schnelltest dauert nur 15 Minuten. Das werden wir voll ausnutzen, um Besuche und Kontakte zu ermöglichen.

 

Soll grundsätzlich jeder, der seine Mutter oder seinen Vater besuchen will, vorher getestet werden?

So sehen wir es vor. Wir müssen natürlich abwarten, ob wir dafür genügend Tests haben. Wir bekommen ja pro Bewohner zunächst für die kommenden 30 Tage eine festgelegte Anzahl von Tests. Es wäre nicht fair, wenn ein Bewohner – ich übertreibe jetzt mal – jeden Tag fünf Besuche bekommen und eine unglaubliche Anzahl von Schnelltests benötigen würde, und dann wären keine Tests mehr da für die Tochter eines anderen Bewohners, die nach langer Zeit endlich aus Sachsen oder Schleswig-Holstein kommen kann. Zusätzlich sollen alle Bewohner und Mitarbeiter einmal in der Woche getestet werden, aber auch Friseure oder Fußpfleger, die in unser Haus kommen, sofern das weiterhin erlaubt ist. Wir haben aber auch schon zuvor regelmäßig getestet.

„Viele aus unserer Belegschaft sind schon seit Jahren hier und fühlen sich mit dem Haus eng verbunden. Wer irgend kann, ist da.“

Bundesweit ist ein Pflegenotstand zu verzeichnen. Sind Sie davon ebenfalls betroffen?

Gottseidank noch nicht. Ich bin sehr dankbar dafür. Wir haben ein festes Team mit 20 Pflegefachkräften, Pflegekräften, Betreuungskräften und Hauswirtschaftern. Viele Mitarbeiter sind schon seit Jahren hier und fühlen sich mit dem Haus eng verbunden. Wer irgend kann, ist da. Bisher haben wir zum Glück kaum Krankenstand.

 

Was waren für Sie bisher in der Coronazeit die bewegendsten Erlebnisse?

Für mich war sehr bewegend, mit welcher Phantasie Angehörige und Bewohner versucht haben, in Kontakt zu bleiben. Es hat sich ja sogar ein neuer Begriff entwickelt, das „Fenstern“ – als die Wohnbereiche in der heißen Phase nicht zugänglich waren, haben die Bewohner wie Rapunzel aus ihrem Fenster ein Seil mit einem Korb heruntergelassen, in den die Angehörigen Überraschungen reingesteckt haben. Die Tanzschule Cifuentes hat immer wieder angeboten, ihre Lehrstunden bei uns im Hof abzuhalten. Das Blasorchester aus Buchholz hat gespielt, um unseren Senioren zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Ich fand es auch super, dass der Bürgermeister immer wieder angerufen hat und sich erkundigt hat, was wir brauchen. Die Stadt hat dann auch Masken und Schutzausrüstung organisiert.

 

Was haben Sie aus der Zeit gelernt?

Wichtig ist es, mit den Angehörigen im Gespräch zu bleiben. Und wir haben gelernt, trotz der Unsicherheit, die überall zu spüren ist, ruhig zu bleiben. Ich sage immer: Heute ist heute und wir schauen, was wir heute möglich machen können. Ich hoffe, dass wir insgesamt entspannter bleiben, obwohl die Situation ja nicht weniger gefährlich ist als im Frühjahr.

 

Haben Sie auch mit Angehörigen zu tun, die keine Maske tragen wollen und selbst keine große Gefahr in Corona sehen?

Ja, natürlich. Es gibt Menschen, die einfach reinkommen, ohne zu klingeln oder sich anzumelden. Wir versuchen ja schon, keine abstrusen Auflagen zu machen. Trotzdem werden manchmal sogar die Mindestanforderungen – wie Mundschutz tragen, die Zeiten einzuhalten – ignoriert. Bisher habe ich noch keinen der Einrichtung verwiesen, wir sprechen das aber ganz deutlich an. Unsere Mitarbeiter verletzt es auch, wenn sie zu hören bekommen: „Wir lange wollen Sie meine Mutter noch einsperren?“ Hier wird niemand eingesperrt! Es kostet unsere Mitarbeiter viel Geduld und Kraft, die Bewohner und Angehörigen zu ermutigen, die Vorgaben einzuhalten.

„Es wäre absolut inhuman, die Seniorenzentren zu schließen und die Risikogruppen abzusondern, nur damit die Feierkultur weitergehen darf.“

Immer wieder werden Forderungen laut, die Risikogruppen stärker zu isolieren und dafür dem Rest der Bevölkerung mehr Freiheit zu lassen. Was halten Sie davon?

Ganz ehrlich, das finde ich unsozial. Unsere Senioren haben ja schon so viele Einschränkungen, dass wir denen nicht noch zusätzliche Dinge aufbrummen sollten. Es wäre absolut inhuman, die Seniorenzentren zu schließen und die Risikogruppen abzusondern, nur damit die Feierkultur weitergehen darf. Ich gönne jedem den Besuch in der Diskothek oder den Urlaub. Ich erwarte aber auch, dass in so angespannten Zeiten jeder ein Stück bereit ist, Verzicht zu üben zum Wohle aller.

 

Gibt es Ausnahmen von den strengen Besuchsregeln, beispielsweise wenn es ans Sterben geht?

Das ist für uns ganz wichtig. Wir haben immer gesagt, wenn jemand im Sterben liegt, müssen wir es in irgendeiner Weise möglich machen, dass sich die Liebsten verabschieden können. Das waren für uns immer ganz besondere Ausnahmen, weil diese Abschieds- und Sterbekultur zu unserem Haus gehört.

 

Beelitz   09.11.2020    von Antje  Schroeder

 

siehe auch :

Beelitzer Nachrichten PDF - Informationen aus unserer Stadt 28. Jahrgang | Nr. 4 | 29. April 2020

Eigentümlich ruhig - und doch hoffnungsvoll
Im Seniorenzentrum können zurzeit keine Besuche empfangen werden. Kontakte gibt es aber schriftlich und durchs Fenster

https://beelitz.de/wp-content/uploads/2020/06/bn0420.pdf#page=13

 

Bilddatei © Seniorenzentrum "Negendanksland", Beelitz
Bilddatei © Seniorenzentrum "Negendanksland", Beelitz
 

 

 

 

 

Bürgermeister Bernhard Knuth und Baby-Willkommens-Beauftragte Regina Breyer (Mitte) sowie Marina Ringel (l.) und Antje Lempke (r.) aus dem Beelitzer Hauptamt
Bürgermeister Bernhard Knuth und Baby-Willkommens-Beauftragte Regina Breyer (Mitte) sowie Marina Ringel (l.) und Antje Lempke (r.) aus dem Beelitzer Hauptamt


Ein Baum mit Symbolwert

 

Beelitz  03.11.2020

Was zunächst nur als Alternative im Corona-Jahr gedacht war, soll nun Tradition werden: Mitte Oktober  (externer Link Beelitz-News)  hatte Bürgermeister Bernhard Knuth gemeinsam mit dem Baby-Willkommensdienst symbolisch eine Ess-Kastanie auf dem Laga-Gelände in Beelitz gepflanzt, weil aufgrund der Pandemie eine gemeinsame Aktion mit den frischgebackenen Familien im Stadtgebiet ausgefallen war.

 

Da das Echo aus der Bürgerschaft durchweg positiv war, soll nun in jedem Jahr – zusätzlich zur gemeinsamen Pflanzung von Obstbäumen – ein größerer Baum gepflanzt werden, und das immer in einem anderen Ortsteil.
 
„Es ist eine weitere schöne Möglichkeit, mit der wir unsere Verbundenheit mit den Beelitzer Familien und mit den Kindern zum Ausdruck bringen können und dabei auch noch etwas Gutes für unser Stadtbild tun“, erklärt  Bürgermeister Bernhard Knuth. Denn mehrjährige Kastanien, Eichen oder Buchen – die allesamt erstklassiges Bastelmaterial für zu Hause oder für die Kita bieten - würden sich auch als Blickfang und Schattenspender gut auf den öffentlichen Plätzen zum Beispiel vor den Dorfgemeinschaftshäusern machen.

 

„Schon jetzt haben unsere Ortsteile so viel mehr als nur die formelle Zugehörigkeit zur Spargelstadt gemein. Ich freue mich darauf, wenn wir mit den Bäumen nun noch weiteres Band schaffen, das uns alle zusammenhält.“
 
Zugleich würde sich so die Möglichkeit eröffnen, dass auch künftig – wie bereits in diesem Jahr – die Obstbäume, von denen die Stadt jedem neugeborenen Kind einen sponsert, nicht mehr nur an einer Stelle, sondern dezentral in den Ortsteilen zu pflanzen. Dafür können dann alle Familien zur zentralen Aktion, bei der ein Baum in einem Ortsteil ein neues zu Hause findet, zusammenkommen und sich dabei kennen lernen.


Herzliche Grüße aus der Spargelstadt Beelitz
Thomas Lähns    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

www.streuobstwiesen.web-bb.de

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Vorderlader zum Lasergewehr

Mit 555 Jahren ist die Beelitzer Schützengilde der wohl älteste Verein der Spargelstadt. Aus einer großen Feier wird in diesem Jahr leider nichts. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die ehrenamtliche Arbeit der Gilde, die sich über mehr Nachwuchs freuen würde

 

von Antje Schroeder

Mit einer großen Feier wird es wohl nichts - mal wieder, muss man leider sagen. Denn immer, wenn bei der Schützengilde Beelitz ein runder Jahrestag ansteht, kommen harte Schicksalsschläge dazwischen: Der 450. Jahrestag konnte aufgrund des Ersten Weltkrieges nicht begangen werden. Der 500. fiel in die DDR-Zeit, als der traditionsreiche Verein verboten war. Nun, wo 555 Jahre anstehen, verhindert die Corona-Pandemie, dass die Schützen mit ihren vielen Wegbegleitern und Freunden feiern. Aber wer auf eine so unwahrscheinlich umfangreiche Geschichte zurückblicken kann, der lernt wohl auch, sich in Geduld zu üben.

„Man kann es nicht ändern“, sagt der heutige Vorsitzende der Schützengilde zu Beelitz-Mark 1465 e.V., Ingolf Schulz. Geplant war eine feierliche Versammlung, mit Besuch der befreundeten Ratinger Grenadier Kompanie und gemeinsamem Schießen. „Nächstes Jahr können wir es hoffentlich nochmal offiziell nachholen“, sagt Schulz.

Die Schützen blicken als der wohl älteste Verein der Spargelstadt auf eine uralte Tradition zurück. Ursprünglich entstanden in den Städten des deutschen Mittelalters Schützengilden als Vereinigungen wehrhafter Bürger, zur Verteidigung gegen Plünderer und Banditen. Bereits im Jahr 1393 wurden zwei Beelitzer Gewappnete und ein Schütze im Rahmen eines Städtebundes genannt.

Das Jahr 1465 sehen die Beelitzer Schützen als eigentliche Geburtsstunde ihrer Gilde: Sie wurden zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Markgraf Friedrich überließ an „unser lieben getreven die Schutzenn“ ein Stück Land zum Bau einer Kapelle und eines Hospitals für arme Leute.

Seiher waren die Schützen immer in der Stadt präsent – ob in Frack und Zylinder wie auf einem Foto aus dem Jahr 1872 oder in waidmännisch anmutender Tracht im Jahr 1928. Im Jahr 1929 erwarb die Schützengilde ein prächtiges Vereinshaus mit großem Festsaal am Schützenplatz. Der Verein gab Genussscheine heraus, die ihre Inhaber dazu berechtigten, die Ausschüttungen aus den Wirtschaftsüberschüssen der Gilde abzuheben. Allerdings geriet die Gilde bald darauf in wirtschaftliche Probleme, musste 1941 ihr Gebäude am Schützen-platz abgeben. Heute ist dort die Filiale der Volksbank untergebracht.

Zu den Glanzzeiten marschierten vom Bürgermeister bis zum Druckereibesitzer und anderen Honoratioren die Stadtoberen bei Umzügen voran. Heute hat der Schützenverein nur noch 32 Mitglie-der, darunter drei Frauen. Dennoch zollt Bürgermeister Bernhard Knuth der langen Tradition und Arbeit der Schützen Respekt: „Die Schützengilde ist ein wichtiger Anker im gesellschaftlichen Leben der Stadt, sorgt für eine lebendige Verbindung in unsere Partnerstadt. Und sie bildet als ältester Verein eine Brücke vom Damals ins Heute, über die sich Traditionspflege und Sport die Hand reichen“, sagt Knuth.

Anders als in vielen westdeutschen Städten wurde in Ostdeutschland, so auch in Beelitz, die Tradition allerdings lange Jahre unterbrochen. Viele Schützenvereine – obwohl aus demokratischer Vormärz-Tradition zunächst reserviert gegenüber dem Nationalsozialismus – hatten sich nach 1933 doch angepasst und vom NS-Regime vereinnahmen lassen. Und so verboten die Alliierten nach der Kapitulation der Wehrmacht die Schützenvereine als Waffenträger zunächst ganz. Doch während in der BRD die Gilden, Bruderschaften und anderen Vereine mit der Gründung der Bundesrepublik wieder zugelassen wurden, blieben sie in der DDR verboten.

Das hat Auswirkungen bis heute. Bei den Beelitzer Schützen, die sich erst nach 1990 neu gründen konnten, ist wenig über die Zeit während und vor dem zweiten Weltkrieg überliefert. Auch wie sich der Verein im Nationalsozialismus verhalten hat, ob beispielsweise jüdische Mitglieder aus der Gilde ausgeschlossen wurden, ist wenig bekannt. Trotz wiederholter Aufrufe hätten sich kaum frühere Schützen oder alte Beelitzer gemeldet, die noch aus erster Hand über die Zeit von früher berichten konnten, bedauert der stellvertretende Vorsitzende Lutz Bothe. Viele alte Beelitzer hatten aber noch Originalstücke wie alte Satzungen oder Königsscheiben, die sie der Gilde brachten.

Vielleicht bringt es die lange Pause auch mit sich, dass die Schützen in Beelitz mehr auf das sportliche Schießen fokussiert sind als die Kameraden in Westdeutschland. Der Vorsitzende Ingolf Schulz, pensionierter Bauleiter und zu DDR-Zeiten in der Gesellschaft für Sport und Technik aktiv, ist wie viele seiner Mitstreiter wegen des Schießsports zur Schützengilde gestoßen. Zwei Jugendliche seien sogar von Beelitz auf die Sportschule gewechselt, sagt Sportleiter Detlef Schönrock. Die Beelitzer Schützen haben wiederholt Kreismeister und sogar Landesmeister gestellt. Auch das Schießen auf den Vogel – im Westen bisweilen ein abgekartetes, zugleich für den Schützenkönig teures Spiel – wird hier sportlich ausgefochten.

Das Königsschießen wird regelmäßig im Rahmen des Schützenfestes ausgetragen. Alle zwei Jahre feiern die Schützen in Beelitz ein solches Fest, seit 2010 im Rahmen des Spargelfestes. In den anderen Jahren besuchen die Mitglieder der Gilde oft und gerne den Partnerverein in Ratingen, mit dem sie eine über 20-jährige Freundschaft verbindet. Dann marschieren die Beelitzer auch dort mit in ihrer „Tracht“, den grünen Vereinsjacken mit Schulterstücken und vielen Abzeichen und Orden. Zum Beelitzer Schützenfest kommt im Gegenzug regelmäßig eine Abordnung der Ratinger Grenadier Kompanie mit ihrer blauen Tracht. Die diesjährigen Feierlichkeiten – zu denen unter ande-rem 20 Mann aus Ratingen zu Pferde kommen wollten – mussten aber leider Corona-bedingt ausfallen.

Allerdings geht den Beelitzer Schützen der Nachwuchs aus. „Wir haben nichts mehr, wo wir mit der Jugend trainieren können“, sagt Schulz. Die Schützen bräuchten eigentlich ein festes Standquartier, wo sie ihre Schießanlage – zumindest für Luftgewehre – aufstellen können. Dazu sei man bereits an die Stadt herangetreten, so Schulz. Bei 32 Mitgliedern kann die Gilde jedoch finanziell keine großen Sprünge machen. Die früheren Räume im Bahnhof musste der Verein schon vor Jahren aus finanziellen Gründen aufgeben. Die Erwachsenen können in Treuenbrietzen oder anderen Schießständen der Region trainieren, für Jugendliche wäre der Weg zu weit und sie dürften auf den Großkaliberanlagen auch gar nicht trainieren.

Willkommen sei jeder, sagt Bothe – Männer, Frauen, Kinder. Rechtsradikale würde der Verein laut Schulz allerdings nicht aufnehmen. Ohnehin müssen die Mitglieder für das Schießen eine Sachkundeprüfung absolvieren und werden von Polizei und Staatsanwaltschaft geprüft. „Wir sind kein militaristischer Verein, sondern pflegen die Tradition der Gilde und ein wenig auch der Stadt“, sagt Bothe, der sich eingehend mit der Geschichte der Gilde befasst hat.

Trotz allem Traditionsbewusstsein hofft der Verein jetzt auf moderne Technik. Die Schützen haben ein Lasergewehr angeschafft – schießen wie in einem Computerspiel. „Wir hoffen, damit Jugendliche zu gewinnen“, sagt Schönrock. Doch zumindest einen mittelgroßen Raum brauchen die Schützen dafür auch.

https://beelitz.de/wp-content/uploads/2020/10/Beelitzer-Nachrichten-Oktober-2020.pdf#page=16

 


weitere Informationen aus dem Rathaus Beelitz

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