Beelitzer Festwiese  04.08.2015 - Frau Luna / Proben
 
Berliner Luft – Berliner Witz

Fritz Steppke hat eine Vision – aber leider keinen Job mehr. „Ein Luftschiff? Wer glaubt, dass sowas fliegt, hat nicht alle Tassen im Schrank“, schütteln seine Freunde die Köpfe. „Genau das hat mein Meister auch gesagt“, berichtet der junge Mechaniker zerknirscht. Deshalb habe es Streit gegeben - und am Ende die Kündigung. Trotzdem fängt sich Steppke schnell wieder – und schäkert gleich darauf mit der Nachbarin. Denn: „Wenn ein Berliner ein hübsches Mädel sieht, dann weiß er, wozu er auf der Welt ist.“

Peter-Benjamin Eichhorn legt jede Menge spitzbübischen Witz in seine Rolle, eine große Portion jugendlichen Charmes und viel Energie. „Steppke ist ein Energiebündel, das liegt mir selbst auch nicht ganz fern“, schmunzelt der 38-jährige Schauspieler. In den kommenden beiden Wochen steht er in Beelitz auf der Bühne – als Hauptfigur in der Berliner Operette „Frau Luna“. An sieben Abenden wird das Stück mit der bekannten Musik von Paul Lincke zwischen Altstadt und Nieplitzufer aufgeführt. Am Donnerstag ist Premiere, aber die Aufregung hält sich in Grenzen, sagt Eichhorn. Zumindest noch.

Während das Ensemble auf der Hauptbühne steht und das Konzertorchester Eberswalde Klassiker wie „Das macht die Berliner Luft“ oder „Oh Theophil“ anstimmt, laufen im Hintergrund noch die letzten Bauarbeiten an der Kulisse. Nach den Entwürfen von Bühnenbildnerin Frauke Bischinger hat die Potsdamer Firma Domino Design gemeinsam mit dem Beelitzer Bauhof eine typisch Berliner Häuserzeile der Kaiserzeit entstehen lassen. Hier lebt Fritz Steppke im Haus der Witwe Pusebach, deren Nichte Marie er eigentlich heiraten will. Doch auch von der Nachbarin, der Chansonette Flora Huschke fühlt er sich angezogen – fast so sehr wie vom Mond.

Die „Witwe Pusebach“ hat gerade eine Pause genommen: Schauspielerin Uta Schorn, bekannt aus Fernsehserien wie „Familie Dr. Kleist“ oder „In aller Freundschaft“, sitzt zusammen mit ihrer Kollegin Eva Maria Pieckert – sie spielt die Anna - und Regisseur Peter Fabers im Schatten eines Baumes. Die glühende Mittagshitze wird nur so erträglich. Was sie mit ihrer Rolle verbindet? „Die Pusebach spricht Berliner Dialekt, so wie ich normalerweise“, sagt Frau Schorn. „Dass sie sich aber immer so leicht aufregt – das ist gespielt.“ Sie fühle sich sehr wohl in diesem Ensemble, das für die diesjährigen Festspiele zusammengestellt wurde: „Eine tolle Truppe. Und wenn das Publikum nur halb so viel Spaß hat wie wir bei den Proben, dann kann es nur gut werden.“

Seit Mitte Juli laufen die künstlerischen Vorbereitungen. Ein Teil der Darstellerriege, die aus verschiedenen Ecken Deutschlands stammt, ist in Schäpe untergebracht, im Landmotel des dortigen Jakobs-Hofes. Die Schauspieler und Sänger haben sich längst gefunden, sie albern miteinander und lachen viel. Wobei die Textpassagen der „Frau Luna“ immer wieder Steilvorlagen bieten. Köstlich, wie Heiko Walter vom Staatstheater Cottbus den stockpreußischen Wachtmeister Theophil gibt und mit Kabarettistin Andrea Meissner als Elle sogar ein bisschen frivol wird. Herrlich, wie Uwe Karpa als brummiger Hausmeister Pannecke die abgehobenen Ideen der Jugend kommentiert. Und wenn Jessica Glatte von der Staatsoperette Dresden in die Rolle der charmanten Flora schlüpft, dann kann man Steppkes anhimmelnde Blicke schon verstehen.

Ein bisschen liegt es auch an der romantischen Kulisse, mit dem Wasser im Hintergrund und dem Kirchturm in der Nähe, dass sich die Herzen auf der Bühne so glaubhaft zufliegen. „Sommertheater – dass ist immer etwas Besonderes“, schwärmt Peter-Benjamin Eichhorn. Vor allem für das Publikum, das ab Donnerstag dabei sein wird, wenn Beelitz zu seiner ersten Mondlandung abhebt.


Text : Thomas Lähns

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