21.08.2014 / Beelitz
 

Grabungen an der Kirche fördern neue Erkenntnisse zutage

Bei dem rätselhaften Feldsteingemäuer am Fuße der Beelitzer Stadtpfarrkirche konnte jetzt noch mehr Licht ins Dunkel gebracht werden: Durch weitere Grabungen bis in eine Tiefe von zwei Metern hat Archäologe Michael Böhm herausgefunden, dass es sich definitiv nicht um einen Brunnen gehandelt haben kann. „Die Beschaffenheit deutet tatsächlich eher auf das Fundament eines massiven Gebäudes hin“, erklärt er. Denn im unteren Bereich sind die Feldsteine nicht bearbeitet und auch nicht mit Lehm verfugt. „Außerdem sind die Steine eher ausladend angeordnet, es geht nicht gerade hinunter“, so der Experte. Das Gemäuer reicht bis 2,30 Metern Tiefe.

Seit mehreren Wochen ist Böhm für die Berliner Grabungsfirma Archäo Kontrakt auf dem Kirchplatz im Einsatz, heute hat er seine Arbeit beendet. Der Platz wird zurzeit saniert, Baufirmen erneuern im Auftrag der Stadt die Regenentwässerung. Das Feldsteingemäuer war zwar schon bei früheren Erd- und Pflasterarbeiten in diesem Bereich aufgetaucht, jedoch war Mitte der 1990er noch niemand der Frage nachgegangen, woher es kommt.

Im Rathaus ist man heute von der Wichtigkeit solcher Grabungen überzeugt. „Herr Böhm hat sehr wertvolle Erkenntnisse über unsere Stadtgeschichte ans Tageslicht gefördert“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth. „Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr angenehm, er hat die einem Bürgermeister innewohnenden Ängste vor archäologischen Grabungen im Stadtgebiet nehmen können.“

Für Böhm und auch für die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises deutet Einiges darauf hin, dass im Bereich des heutigen Kirchplatzes noch vor dem Bau der Stadtpfarrkirche eine Burg gestanden haben könnte. Das zumindest würde die sehr frühe Bezeichnung von Beelitz in Urkunden als „oppidium“, also Kleinstadt, erklären. Damit ging nämlich meist eine wehrhafte Befestigung einher. Allerdings könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass hier schon vor der 800 Jahre alten Stadtpfarrkirche ein älterer Sakralbau stand. „Wir wissen lediglich, dass es eine Vorbebauung gab, wahrscheinlich seit Ende des 12. Jahrhunderts“, erklärt Michael Böhm. Man könne sogar davon ausgehen, dass die Steine des früheren Gebäudes für den Bau der Stadtpfarrkirche verwendet wurden. Das Fundament des Vorgängerbaus ist indes mit Schutt verfüllt worden.

Im Rahmen der Grabungen ist dem Archäologen auch noch ein weiterer interessanter Fund gelungen: Keramik-Scherben, die Böhm in Anbetracht ihrer Beschaffenheit zum Teil dem Mittelalter zuordnet. Zwei der Fundstücke indes dürften wesentlich älter sein: „Die beiden Scherben haben unregelmäßige Kanten und eine sehr grobe Magerung: Sie stammen aus der Bronzezeit und dürften damit ungefähr 2800 Jahre alt sein.“ Allerdings würde dieses Indiz nicht dafür ausreichen, eine Besiedlung in vorchristlicher Zeit anzunehmen. „Ebenso gut könnte ein Wanderer etwas verloren haben.“

Die Scherben werden ins Archiv der Oberen Denkmalbehörde nach Wünsdorf gebracht und dort eingelagert – mit Angaben zum Fundort. „Sollten in Beelitz irgendwann weitere Scherben oder sogar Gefäße auftauchen, lassen sich daraus dann insgesamt vielleicht konkretere Schlüsse ziehen.“ Die Stadt will im kommenden Jahr einen Antrag in Wünsdorf stellen, die Scherben als Leihgabe im Museum in der Alten Posthalterei ausstellen zu dürfen.

Michael Böhm hat in dieser Woche noch Bohrungen vorgenommen um das Bodenprofil zu untersuchen, mittlerweile ist die Grabungsstelle wieder mit Erde verfüllt worden. „Das Fundament wird dadurch konserviert. Nur der obere Teil soll künftig sichtbar bleiben.“

Die Idee, das Feldsteinfundament an der Kirche einzufassen und für Spaziergänger und Touristen erlebbar zu machen, hatte Bürgermeister Knuth. „Es ist ein Fenster zu den Anfängen unserer Stadtgeschichte – und der Beweis für die Bedeutung, die Beelitz bereits im Mittelalter hatte. Das ist nicht nur für Wissenschaftler interessant, sondern auch für uns Beelitzer und unsere Besucher“, so der Bürgermeister.

Auch Michael Böhm hat während seiner Grabungen ein großes Interesse der Öffentlichkeit erfahren: Immer wieder haben Passanten an der Baugrube angehalten und ihre Vermutungen über die Herkunft des Gemäuers geäußert. „Es hat sich gezeigt, dass die Beelitzer ihre Stadtgeschichte kennen.“

 
Text - Bilddatei  - Pressesprecher Stadt Beelitz

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