19.07.2014 / Beelitz
 

Immer im Dienst gewesen

Joachim Kähling hatte es nie weit bis zur Arbeit: „Ich habe die Tür aufgemacht – und schon war ich mitten drin.“ Für ihn ist es nur einer von vielen Vorzügen gewesen, die man als Schulhausmeister haben kann. 33 Jahre lang hat der ruhige Mann mit dem freundlichen Blick am Standort des Beelitzer Sally-Bein-Gymnasiums gearbeitet und gewohnt, für ihn war es mehr Lebensaufgabe denn Beruf. Mit 64 Jahren ist er Mitte Juli in den Ruhestand gegangen. Damit endet eine Ära.

Es ist viel Wehmut dabei, wenn Herr Kähling in seinen letzten Arbeitstagen über den Schulhof streift. Hier kennt er jeden Winkel: Unzählige Male hat er im Winter Wege freigeschoben, im Sommer Rasen gemäht, die Technik instand und die Gebäude in Schuss gehalten. „Hier musste ich sogar eine Zeitlang den Bauleiter machen“, sagt er und deutet auf Haus 3, welches 1996 errichtet wurde. Die Firmen waren von außerhalb, er vermittelte zwischen Baubrigade und Leitung.

Aufgewachsen ist Herr Kähling in Spickendorf bei Halle (Saale). Dort hatte er eine Ausbildung gemacht und als Landmaschinenschlosser gearbeitet. Nach Jahren der Montage und einer Anstellung in Berlin landete er mit seiner Familie 1981 in Beelitz - als neuer Hausmeister der Agraringenieurschule.

Im Haus 2, welches Anfang des 20. Jahrhunderts als Kinderheim errichtet wurde, befindet sich seine mittlerweile leergezogene Wohnung: Drei Zimmer, Küche, Bad. Über drei Jahrzehnte war dies sein Zuhause: Hier hat die Familie Weihnachten gefeiert, hier sind seine Söhne aufgewachsen. „Sie haben damals viel mit gleichaltrigen Schülern gespielt, vor allem Fußball“, erinnert er sich. Tagsüber herrschte Leben auf dem Gelände, abends und in den Ferien war Ruhe – zumindest meistens. „Wenn es etwas zu erledigen gab, dann konnte ich auch nachts die Bohrmaschine anmachen – das hat niemand gehört“, lächelt Joachim Kähling. Die Grenze zwischen Job und Privatleben war fließend, auch weil der Hausmeister eine Art Nachtwächterfunktion übernommen hatte. Herr Kähling war selten im Urlaub und fast immer irgendwie im Dienst – Überstunden hatte er trotzdem nie aufgeschrieben.

Für Schüler und Lehrer war er „Fels in der Brandung, Retter in der Not, Ruhepol im Stress und die Seele des nicht unerheblich großen Geländes“, wie es in einer Laudatio des Gymnasiums heißt. Man habe sich immer an ihn wenden können und immer habe er eine Lösung gefunden. „Sein Anteil an den hervorragenden Schulabschlüssen und dem guten Ruf der Bildungseinrichtung kann nicht hoch genug geschätzt werden.“

Schüler, Lehrer und Stadtverwaltung hatten Joachim Kähling vergangene Woche offiziell verabschiedet. Er nimmt solche Ehrungen bescheiden hin, hat sich sogar schon ein wenig mit dem Gedanken an Ruhestand angefreundet. „Erst einmal werden wir reisen: An die Ostsee, in den Spreewald und im Oktober nach Mallorca“, sagt er. Und hin und wieder werde er sicher auch noch nach dem Rechten sehen - im Sally-Bein-Gymnasium, das er mit Recht als „seine Schule“ bezeichnen kann.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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