13.06.2014 / Beelitz
 

Reisegelegenheit nach Sachsen

Goethe ist mitgefahren, Schiller auch. Johann Sebastian Bach nutzte sie für seinen Besuch bei Friedrich dem Großen und der Schriftsteller Johann Karl Wezel verarbeitete seine Reiseerlebnisse in ganzen Romanen. Nachdem die Postkutschenroute Berlin-Leipzig ab 1724 über Beelitz geführt wurde, stieg in der Stadt allerlei Prominenz aus und zu. Durch die neue Verkehrsverbindung entstanden aber auch Handelsbeziehungen, sodass die Stadt im 18. Jahrhundert zu neuer Blüte gelangte.

An die Beelitzer Postgeschichte wird jetzt mit einer neuen Ausstellung erinnert: „Reisegelegenheit nach Sachsen. Erfahrbare Nachbarschaft“ soll langfristig den Grundstock für die Wiedereinrichtung des Beelitzer Museums bilden. Anhand von Klang– und Lichtinstallationen, Schaubildern und Exponaten wie historische Karten, Reisedokumente und Posthörner soll der frühere Alltag in der Poststation mit allen Sinnen erlebbar werden. Unter anderem wird auch das Abfertigungsfenster zur Expedition wieder geöffnet und der Blick in eine Poststube ermöglicht. Darüber hinaus wird man spannende Eindrücke von den Tücken und Gefahren des Reisens erhalten - wie durch Räuber am Wegesrand. Und man erfährt, woher der Begriff „Schmiergeld“ kommt.

Die offizielle Eröffnung wird am 3. Juli um 17 Uhr statt finden, die Beelitzer sind herzlich eingeladen. Dazu wird es auch Fahrten mit der Postkutsche geben. Außerdem werden Schauspieler in die Rollen berühmter Reisender schlüpfen, die einst in Beelitz Station gemacht haben: Neben Goethe, Schiller und Bach gehörten auch Hans-Christian Andersen, Heinrich von Kleist und Carl Maria von Weber dazu.

Thematisch eingebettet ist die Ausstellung in das Kulturlandjahr 2014 „Preussen. Sachsen. Brandenburg - Nachbarschaften im Wandel“, unterstützt wird sie vom Landkreis sowie der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, der Investitionsbank des Landes und dem Land Brandenburg. Eine Partnerschaft besteht zur Landesausstellung „Wo Preussen Sachsen küsst“ in Doberlug.


Das Gebäude

Die alte Posthalterei wurde 1789 vom damaligen Bürger- und Postmeister Gottlieb Ferdinand Kaehne im Stil des spätbarocken Klassizismus errichtet. Das Gebäude diente als Post- oder Post-Relais-Station an der bedeutenden Handels- und Verkehrsstraße zwischen Sachsen, dem Havelland und Berlin. Hier wurden die Pferde ausgewechselt, Postsendungen aufgenommen und abgegeben. Der Posthalter betrieb eine Gastwirtschaft mit Pension.

Über dem Eingangstor erinnern noch heute der schwarze preußische Adler und ein Posthorn an diese Zeit. Links der Durchfahrt befand sich das „Expeditionszimmer“, rechts die „Passagierstube“, in der sich der Überlieferung nach auch Johann Wolfgang von Goethe bei einer Durchreise aufgehalten hat.

Das Gebäude ist in den letzten Jahren aufwendig saniert worden: Die Hülle wurde rekonstruiert und im Innern sind unter anderem historische Wandmalereien aus der Entstehungszeit des Hauses freigelegt worden: Zöpfe und Vasen im Torhaus und im Obergeschoss Landschaftsbilder, die stark an die Potsdamer Schlösserlandschaft erinnern: Man sieht Gebäude mit Säulen und Bögen, einen Park durch den sich ein Kanal zieht und in dessen Mitte ein mit Hirschgeweihen verzierter Tempel steht.

Heute befindet sich im Erdgeschoss der Alten Posthalterei die Stadtbibliothek und im Obergeschoss das Standesamt mit Trauzimmer, dem Goethesaal.


Mit Köfer in der Kutsche

Der bekannte Schauspieler hat für die Hörstationen der neuen Postausstellung historische Texte eingelesen

Herbert Köfer lässt die Beelitzer Postgeschichte lebendig werden: Die Film- und Fernsehlegende hat Mitte Juni in der Spargelstadt historische Texte für die Ausstellung „Reisegelegenheit nach Sachsen. Erfahrbare Nachbarschaft“ eingelesen. Seine melodische Baritonstimme wird die Besucher künftig an einer von mehreren Hörstationen durch die Beelitzer Feldflur geleiten und die Eindrücke eines Reisenden in der Postkutsche schildern. Das Material dafür stammt aus der Feder des Schriftstellers Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854). Weitere zeitgenössische Dokumente wurden von Kaberettistin Andrea Meissner und Schauspieler Hans-Jochen Röhrig vertont.

Am 3. Juli wird die Beelitzer Ausstellung im Rahmen des Kulturlandjahres „Preussen. Sachsen. Brandenburg. nachbarschaften im wandel“ in der Alten Posthalterei, Poststraße 16, eröffnet. Anhand von Klang– und Lichtinstallationen, Schaubildern und Exponaten – darunter seltene historische Karten, Reisedokumente und Posthörner – wird der frühere Alltag in der Poststation mit allen Sinnen erlebbar werden. Langfristig soll die Ausstellung den Grundstock für die Wiedereinrichtung des Beelitzer Museums bilden. Zur Eröffnung wird es neben Fahrten mit der historischen Postkutsche auch ein Wiedersehen mit berühmten Persönlichkeiten geben, die einst in Beelitz Station gemacht hatten, unter ihnen Goethe, Schiller, Bach, Kleist – und eben jener Friedrich Wilhelm Schelling.

„Mit Aufgang der Sonne kamen wir nach Beelitz, dort war alles voll von Reisenden und Juden aus Berlin, die auf die Leipziger Messe zogen…“ – die Aufzeichnungen des Deutschen Romantikers geben einen Eindruck davon, was damals in Beelitz los gewesen sein musste, als die Kutsche kam. Dank Herbert Köfer taucht man ein in das Gewimmel, wird die Fahrt über staubige Strecken zum Hörerlebnis. „Es sind sehr heitere Texte, die viele Informationen über das Reisen geben“, so seine persönliche Einschätzung, „es wäre schön, wenn auch das Publikum es so empfinden würde.“


Gewonnen hat die „Vorleser“ Bürgermeister Bernhard Knuth. „Es klingt einfach toll, wenn Herbert Köfer diese historischen Dokumente liest, sie werden dadurch sehr lebendig. Seine Stimme und die der anderen verleihen unserer Ausstellung eine ganz besondere Qualität“, so Knuth. Köfer, der wie seine Kollegen unentgeltlich las, würdigte die Aktion als einen guten Einfall, wie sie der Bürgermeister viele habe. „Beelitz lebt nicht nur durch den Spargel, sondern auch durch das Kulturelle, und deshalb fühlen wir uns hier so wohl“, erklärte der Schauspieler.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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