28.05.2014 / Beelitz
 

Stadtgeschichte mit Augenzwinkern

Es braucht schon eine Menge Humor, um Tod und Folter eine komische Seite abzuringen. Lutz Backes hat es hinbekommen: In seinem neuen Buch hat er der Beelitzer Henkerin Lühnsdorf ein ganzes Kapitel gewidmet - immerhin sei sie der Beweis, wie fortschrittlich man in der Spargelstadt schon vor Jahrhunderten dachte. Ein jeder, „der gefrevelt hier im Land | gerichtet wird von Frauenhand | Worauf auf Hinrichtungen freuten | wie heut auf Fußball sich die Leute“. Der Autor muss selbst ein wenig schmunzeln, als er in Versen berichtet, wie Frau Lühnsdorf nach dem Tod ihres Mannes die Henkerei übertragen bekam und sich freute, dass sie auch weiterhin ein festes Einkommen haben würde.

„Beelitzer Köpfe ... und Tröpfe“ heißt der 200-Seitige Band, den der bekannte Satiriker und Karikaturist am Mittwochabend im Tiedemannsaal vorgestellt hat. Darin nimmt er all jene aufs Korn, welche die Entwicklung der Spargelstadt in über tausend Jahren mitbestimmt haben. Zu lesen ist vom falschen Markgrafen Waldemar, der eigentlich ein Beelitzer Bäcker gewesen sein soll, oder von Goethe, der in Beelitz bei einer Frau abgeblitzt war, und von den Hohenzollern-Königen, mit denen sich die Stadtväter Jahrhunderte lang ums Jagdrecht kabbelten – wobei Letztere meist den kürzeren zogen.

Die historischen Fakten legt Backes großzügig aus: Dass zum Beispiel die alten Römer den Spargel bis nach Beelitz gebracht haben, darf getrost bezweifelt werden. Auch dass Napoleon persönlich von den Kosaken aus Beelitz vertrieben wurde, gehört ins Reich der Legenden. Allerdings liefern solche Anekdoten jede Menge Stoff für humorige Reime – und für Karikaturen, die seit jeher das Markenzeichen des Mulitalentes sind. Da wird der berühmte Ritter Kahlbutz zum nackten Lüstling, Brauereigründer Emil Baatz zum Bierkrug mit Henkel und Bundeskanzerlin Merkel zur Spargelköchin, die ihrem Amtskollegen Hollande das dampfende Edelgemüse mit namensverwandter Sauce vorsetzt.

Unter dem Pseudonym Bubec hat Lutz Backes in den 1960ern und 70ern unter anderem für die New York Times und das Handelsblatt gezeichnet, ganz nebenbei noch das weltbekannte Logo der Sportmarke Puma entworfen, später zur Bildhauerei gefunden und schließlich auch zum Theater, für das er bis heute Stücke schreibt. Erstmals nach Beelitz gelangte der in Nürnberg lebende Künstler vor vier Jahren – natürlich über den Spargel. Sofort fand er einen Draht zu Bürgermeister Bernhard Knuth und erhielt mit dem Anfertigen einer Bronzebüste des Beelitzer Spargelpioniers Carl Herrmann eine erste große Aufgabe für Beelitz, das er mit seiner Frau seither regelmäßig besucht. Das Denkmal steht heute im Lustgarten.

Und auch die Beelitzer Chronik in Versen ist eine Art Denkmal – für jene, die in der Spargelstadt ihr Glück machen konnten, und für jene, denen es letztendlich irgendwie an den Kragen ging. Und sei es von der zarten Hand einer Henkerin.

„Beelitzer Köpfe ... und Tröpfe“ ist pünktlich zum Spargelfest erschienen und für 15 Euro in der Tourist-Info Beelitz, Poststr. 15, sowie im Buchladen Loth, Poststr. 14, erhältlich.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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