27.05.2014 / Beelitz
 

Zehn Fledermausarten in Fichtenwalde nachgewiesen

„Der Kiefernwald um Fichtenwalde ist tot, ökologisch nicht wertvoll und deshalb auch nicht schützenswert.“ Diese Einschätzung des Kiefernwaldes bei Fichtenwalde begegneten wir in Gesprächen auch durchaus mit Personen, die beruflich mit Umweltschutz zu tun haben. Nun belegt ein Gutachten, dass die Firma Juwi im Laufe des Genehmigungsverfahrens für die geplanten Windkraftanlagen bei Fichtenwalde in Auftrag geben musste u.a., dass es mindestens 10 verschiedene Fledermausarten in diesem Waldgebiet gibt. Alle Arten finden sich in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Deutschland und fast alle sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz § 7 streng geschützt. Eigentlich ein Grund zur Freude. Und noch schöner: es wurden von verschiedenen Arten wie der Breitflügelfledermaus, dem Abendsegler, dem Braunen Langohr und dem Mausohr nicht nur Jungtiere sondern auch laktierende, also säugende Weibchen nachgewiesen – diese säugenden Weibchen gehören alle gefährdeten und streng geschützten Arten an. Leider gehören sie auch zu den Arten, die im Gutachten durch ihre Lebensweise als besonders „schlaggefährdet“ eingestuft werden.

Im weiteren Verlauf stellen die Autoren nicht in Frage, dass Fledermäuse Schlagopfer (heißt durch die Rotoren zerschlagen) werden. Auch werden ihre Lungen, durch die hohen Luftdruckunterschiede, die durch die Rotoren erzeugt werden, zerfetzt. Dies nennt sich dann „Barotrauma“. Klingt ja auch viel sauberer und ist besser zu ertragen als „zerfetzte Lungen“! Auch die Jagd und Ernährung der Fledermäuse wird massiv gefährdet, denn sie jagen mit Frequenzen, die stark gestört und durch die Schallwellen überlagert werden, die die Rotoren der WKA erzeugen.

Allerdings ist es einem Naturliebhaber und Naturschutzinteressierten dann kaum noch möglich, in diesem Gutachten das Fazit zu ertragen, ohne Entsetzen und auch Wut oder Verzweiflung zu empfinden, je nach Naturell. Unter anderem heißt es da:

„Wegen des saisonal hohen Aufkommens der … Fledermaus sowie der Tatsache, dass im Gebiet mindestens 10 Arten regelmäßig vorkommen und dort auch reproduzieren können, wird dem Gebiet eine besondere Bedeutung für den Fledermausschutz zugeordnet!“

Natürlich kommen die Gutachter, bezahlt von der Firma Juwi, dann zu dem Schluss, dass insgesamt eine Verträglichkeit hinsichtlich des Fledermausschutzes herbeigeführt werden kann. Und beinahe obszön ist es, wenn es dann im Gutachten weiter heißt, dass ein Monitoring- Konzept eine „Bewertung des potenziellen Kollisionsrisikos auf Basis des tatsächlich ermittelten Kollisionsrisikos von Jahr zu Jahr“ erneut erstellt werden soll. Heißt nichts anderes, als dass nur abgewartet werden muss, bis alle Fledermäuse zerschlagen und getötet sind, denn dann gibt es keine Kollisionen mehr und Juwi kann ohne Störungen ihren „Ökostrom“ produzieren. Die im Juwi-Antrag in Aussicht gestellte zeitweilige Stilllegung der Windräder zum Fledermausschutz erscheint vordergründig und dürfte praktisch bedeutungslos sein. Man kann vom Betreiber nicht ernstlich erwarten, dass er die ohnehin schon geringe Windenergieernte in diesem Gebiet weiter freiwillig verringert. Das wäre nur glaubwürdig, wenn die Anlagen durch Sensoren automatisch und durch den Betreiber unabwendbar abgestellt würden, was technisch unrealistisch erscheint. Und die Erfahrungen an anderen Standorten belegen, dass dort festgelegte Abschaltungen, von Mitgliedern der dort vor Ort tätigen BI´s eingefordert, von niemandem durchgesetzt werden.

Nur weil Fledermäuse klein und in den Augen vieler vielleicht hässlich sind, sollten sie uns doch unseren Schutz wert sein! Und wir Bürger sollten der Politik und der Wirtschaft zeigen, dass es neben der Gewinnmaximierung bei dem sogenannten „Ökostrom“ auch noch andere für unsere Lebensqualität entscheidenden Faktoren gibt. Und eine gesunde Umwelt gehört dazu.

Der Schutz unseres Lebens fängt dort an, wo wir den Schutz der Schwachen durchsetzen.

Zum Schutz der Natur ist die Errichtung von Windkraftanlagen im beantragten Gebiet aus den vorgenannten Gründen abzulehnen.


Und noch nebenbei erwähnt:

„Ein Wohnhaus der evangelischen Kirchengemeinde in Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis erhält die Plakette Fledermausfreundliches Haus des Naturschutzbundes (NABU). Die Auszeichnung wird in NRW erstmals vergeben, wie der NABU … in Düsseldorf mitteilte. Das gleichnamige Projekt der Umweltschutzorganisation wird vom Umweltministerium gefördert. In anderen Bundesländern wie Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen oder Hamburg ist das Projekt den Angaben zufolge schon erfolgreich umgesetzt worden.

Ziel des Projektes sei es, die Akzeptanz für Fledermäuse und deren Quartiere in der Nähe des Menschen zu erhöhen sowie bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen." 20.3.2014

Leider gehört Brandenburg nicht zur Liste der unterstützenden Länder.

Dr. Winfried Ludwig, Vorsitzender der Bürgerinitiative Fichtenwalde – Natürlich gegen Lärm e.V.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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