Von Thomas Lähns  22.01.2011

Dunkel und romantisch

Chance auf CD-Vertrag: Die Band „Darkplain“ aus Heilstätten feilt an der Karriere

Beelitz – Viele aus der Szene würden sie um ihren Wohnort beneiden – dabei sind „Walla Letizia“ und „Rayne p. Grocks“ gar nicht wegen der morbiden Sanatorien-Landschaft nach Heilstätten gezogen. Nein, es waren rein praktische Erwägungen, erzählen sie: Die Miete sei bezahlbar, und dank Autobahn- und Zuganbindung ist man in wenigen Minuten in Berlin oder Potsdam. Das Bild zweier „Gothics“, die durch die hundert Jahre alten Ruinen streifen und sich hier zu ihrer Musik inspirieren lassen, bröckelt. „Darkplain“, wie sie sich nennen, sind keine fanatischen Anhänger der Szene, sagen sie. Es ist die romantische Seite dieser Musikrichtung, die es ihnen angetan hat. Wenn sie zuhause am Klavier sitzen, wird klar: Die Inspiration müssen sie sich nicht von draußen holen.

Walla und Rayne sind verheiratet und haben ihre Mitte gefunden. „Perfect Moment“ heißt eines ihrer Lieder, und von solchen Momenten gibt es bei ihnen viele. Über den Song wird zurzeit im Internet abgestimmt: Die Musikzeitschrift „Sonic Seducer“ hat ihn neben 29 weiteren Stücken bislang unbekannter Bands ausgewählt und lässt nun die Leser entscheiden, wer einen Plattenvertrag bekommt. „Das kam überraschend“, sagt der 35-jährige Rayne. Hunderte hatten sich beworben, und plötzlich sind es „Darkplain“, die ihre Musik auf Begleit-CDs von Magazinen finden und um Interviews gebeten werden. „Wenn so viele Leute auf einmal deine Musik hören, ist das schon erhebend“, lacht die 27-jährige Walla. Sie stammt aus Thüringen, ihr Mann ist Ur-Mittelmärker.

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In der Region sind die beiden Musiker keine Unbekannten: Vor fünf Jahren haben sie mit anderen in der Band „Sounds like Fish“ Feste zwischen Potsdam und Beelitz gerockt. Aber wie in so vielen Bands, gingen die Meinungen über den Musikstil irgendwann auseinander. 

Aber irgendwie fehlte etwas. Ausgerechnet am Lagerfeuer entschloss sich das Paar vor einem halben Jahr, wieder Musik zu machen. Diesmal zu zweit und noch mehr mit dem Herzen. „Man muss das machen, was einem selbst gefällt, anders geht es nicht“, sinniert Rayne. Der Titel „Perfect Moments“ ist das Ergebnis dieser Einstellung: Er handelt von trauter Zweisamkeit und dem Halt, den sich zwei Menschen geben können. Zu leisen Klavier- und Cello-Klängen singt Walla mit klarer Stimme die eingängige Melodie.

In der Wohnung herrscht anheimelnde Atmosphäre: Man sieht Fotos von den Kindern, zwei Katzen schleichen über den Dielenboden. Aus der Stereo-Anlage kommen die Klänge von Depeche Mode. Die 80er-Jahre-Band gehört zu den Wegbereitern der Gothic-Szene. Rayne hört sie, seit er acht ist. Das Klavier in der Ecke haben die beiden in einem Schuppen gefunden. „Wenn sie es transportieren können, gehört es ihnen“, hatte der Besitzer den Musikern gesagt.

Am Fenster steht ein PC mit allerlei Musiktechnik: Hier werden die Werke aufgenommen – eine Sisyphus-Arbeit. Das Komponieren geht dafür umso leichter, erläutert Rayne. Plötzlich ereilt ihn die Eingebung, „und dann muss man sich hinsetzen und die Sachen aufschreiben“.

Darkplain planen bereits die nächsten Schritte: Im Sommer wollen sie auf „Unplugged-Tour“ durch die Bars und Cafés in der Region gehen. Das Musizieren ohne große Technik setzt Können voraus, und so wird in der Freizeit regelmäßig geprobt. Selbst die Kinder könnten ihre Lieder schon mitsingen, erzählen die beiden Musiker stolz. Trotzdem soll der Nachwuchs irgendwann selbst entscheiden können, welche Musik er mal hören will – selbst wenn es Rap oder Hip-Hop sein sollte, betonen die Eltern. Vor der Kulisse von Beelitz-Heilstätten ist zumindest das aber eher unwahrscheinlich.

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