Heilstätten - Baumkronenpfad : Der Herbst wird zum Frühling für Beelitz Heilstätten - 14.10.2015

Der Baumkronen– und Zeitreisepfad sorgt nach seiner Eröffnung bundesweit für Interesse und könnte so wichtige Impulse für die Entwicklung der Heilstätten sorgen. 23 000 Besucher waren bereits im ersten Monat hier

Kühl weht der Wind hoch über Heilstätten. Er zwickt im Gesicht und bringt die Baumkronen zum Rauschen - während die tiefstehende Herbstsonne die bunten Blätter leuchten lässt. Wie ein Gemälde kommt die Kulisse daher, eine begehbare Collage aus grünen, gelben, braunen und roten Klecksen, nur hin und wieder durchbrochen von den pittoresken Dächern der historischen Klinikgebäude. Es ist ein atemberaubender Blick, den man vom neuen Baumkronen– und Zeitreisepfad über die Landschaft hat - bis nach Berlin im Norden und den Fläming im Süden. Die Aussicht lockt immer mehr Menschen aus der Region, aber auch weit darüber hinaus, in die Stadt.

„Die Japaner interessieren sich sehr dafür, die mögen das Außergewöhnliche“, sagt Georg Hoffmann und schaut über die Brüstung in die Ferne. 23.000 Gäste seien allein in den ersten vier Wochen seit der Eröffnung Mitte September hier gewesen, berichtet der Chef der Heilstätten Projekt Gesellschaft, die die Anlage errichtet hat und betreibt. Und die Rückmeldungen sind durchweg positiv. „Alle Achtung!“, schreibt zum Beispiel eine Besucherin im sozialen Netzwerk Facebook. „Es ist auch wirklich einen Besuch wert“, bemerkt eine andere.

Für Georg Hoffmann sind solche Stimmen Bestätigung dafür, dass er mit seiner Vision vom Wandel über Heilstätten goldrichtig gelegen hat. Vor vier Jahren war er mit der Idee angetreten, den seit Jahrzehnten leer stehenden A-Quadranten des um 1900 errichteten Klinikkomplexes aus der Höhe erlebbar zu machen und weiterzuentwickeln. Keine leichte Aufgabe: Fördermittel gab es keine und neben den Hürden der Genehmigungsbehörden wurden die Bauarbeiten im Frühjahr dieses Jahres massiv sabotiert: Die Vandalismus– und Partyszene, die sich hier über die Jahre frei entfalten konnte, wollte das Gelände nicht preisgeben: So wurde unter anderem der Eingang der ehemaligen Chirurgie zerstört sowie immer wieder die Zäune, mit denen die Gebäude gesichert wurden. Dem Spuk konnte erst durch verstärkte Polizeipräsenz und die erfolgreiche Ermittlung der Täter ein Ende bereitet werden.

Insoweit hat der Baumkronenpfad, der seit dem Sommer in Rekordzeit errichtet worden ist, die Heilstätten zurück in die Mitte der Gesellschaft geholt. Heute sieht man Senioren, junge Paare und Familien mit Kindern flanieren. Es herrscht eine stille, fast andächtige Atmosphäre: In Anbetracht der altehrwürdigen Gebäude und der intensiven Nähe zu den hohen Bäumen redet man automatisch leiser, hält immer wieder inne und staunt. „Für Botaniker ist hier vieles interessant“, erläutert Georg Hoffmann. Er zeigt auf eine Kiefer, die bis zur Krone von einer Schlingpflanze eingewachsen ist. Vom Boden aus wäre das den wenigsten aufgefallen. 40 verschiedene Baumarten gibt es hier, zwischen Kiefern und Fichten stehen Tannen, Roteichen, Buchen und viele weitere Arten. „Der Bestand wird zurzeit erfasst. Wir wollen in Zukunft thematische Führungen dazu anbieten.“

Das für die meisten wohl spannendste Erlebnis aber ist der Blick in die zum Teil verfallenen Häuser. Der Pfad führt über die Frauenheilstätte A3, deren Dach zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Bomben hinweggerissen wurde. Dafür ist über die Jahrzehnte ein Wald auf dem Gemäuer gewachsen, hat sich die Natur das Haus einverleibt. Mitten in diesem einzigartigen Hochwald steht noch heute ein rostiges Bettgestell. Ein Stück weiter erhascht man einen Blick direkt in die oberen Räume. Ein Graffiti-Auge blickt von einer Wand aus zurück. „Es ergeben sich völlig neue Sichtbeziehungen. Und auch die Graffiti sind ein Teil der Geschichte dieses Ortes“, findet Hoffmann.

Mit dem 300 Meter langen Abschnitt des Baumkronenpfades und dem Aufgangs– und Aussichtsturm ist ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte der Heilstätten angestoßen worden. Der Hochweg soll in Zukunft auf bis einen Kilometer Länge erweitert werden, die Gebäude will die HPG entwickeln. Die ehemaligen Liegehallen haben nach der Rekonstruktion jetzt schon eine neue Funktion: als Kassenhaus, Ausstellungspavillon und Kiosk. Die großen Häuser sollen folgen: Gewerbe, Gastronomie und Wohnen könnten dort bald Platz finden. „Wichtig wäre, dass die Anlage bewohnt wird, dass sie lebt“, wünscht sich Georg Hoffmann. Ein Stück weit ist dieses Ziel schon erreicht: Allein an diesem Montag kommen 700 Besucher. „Manche sind nicht zum ersten Mal hier“, erläutert der Geschäftsführer. Denn jeden Tag sehe man neue Dinge - je nach Tages-, Jahreszeit oder Wetterlage. Auch er selbst sei immer wieder überrascht.

Zu den ersten Besuchern im September gehörte Bürgermeister Bernhard Knuth: „Für Beelitz, seine Bürger und Unternehmen ist die Anlage in eine unschätzbare Bereicherung“, erklärte er. „Nach Jahrzehnten des Leerstandes können die Gebäude endlich gesichert und entwickelt werden.“ Zudem werde für Ausflügler der Beelitz-Besuch durch den Baumkronenpfad unvergesslich. „Man erlebt, wie Natur und Geschichte ein spektakuläres Bild geschaffen haben, das gerade jetzt im Herbst in den schönsten Farben gemalt wird.“ Und davon wird sich noch so mancher überzeugen wollen - egal, wo er wohnt.

Thomas Lähns ... Pressesprecher Stadt Beelitz ...... Bilddateien   ©  Thomas Lähns 

 
  
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Hoch über Heilstätten - 05.10.2015

Beelitz ist mausert sich zum Ziel für Wipfelstürmer aus ganz Deutschland: Nach der Eröffnung des „Baumkronen- und Zeitreisepfades“ in Heilstätten Anfang September strömen täglich Hunderte Besucher in die Stadt, um den berühmten Klinikkomplex aus der Luft zu erleben. An den Wochenenden sind es sogar mehrere Tausend, die in 25 Metern Höhe durch die Baumkronen schreiten und die einmalige Aussicht, die bis nach Potsdam und Berlin reicht, zu genießen. 

„Für Beelitz, seine Bürger und Unternehmen ist die Anlage in eine unschätzbare Bereicherung“, sagte
Bürgermeister Bernhard Knuth, der mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung kürzlich den Baumkronenpfad auf Einladung von Georg Hoffmann, Chef der Heilstätten Park Gesellschaft, besucht hatte. „Nach Jahrzehnten des Leerstandes können die Gebäude im Quadranten A des weltbekannten Klinikkomplexes endlich gesichert und entwickelt werden.“ Zudem werde für Ausflügler der Beelitz-Besuch durch den Baumkronenpfad unvergesslich. „Man erlebt, wie Natur und Geschichte ein spektakuläres Bild geschaffen haben. Gerade jetzt im Herbst wird dieses Bild von den Laubbäumen in den schönsten Farben gemalt“, so der Bürgermeister weiter.

Erst im Frühjahr war mit der Errichtung der Anlage im A-Quadranten durch die HPG begonnen worden. Eine Erweiterung des derzeit 300 Meter langen Pfades ist für die Zukunft geplant. Schon seit längerem ist das öffentliche Interesse an dem Vorhaben groß – immerhin verbindet das Projekt die weltbekannten Beelitzer Heilstätten mit dem Erlebniswert von Baumkronenpfaden, wie es sie bislang nur in Süddeutschland gegeben hatte. Die Anlage im thüringischen Hainich verbucht jährlich 200 000 Besucher – und das ohne Zusatzattraktion wie die Heilstätten.

Der Baumkronen- und Zeitreisepfad hat täglich von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet, von November bis März dann von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 9,50 Euro, Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren zahlen 7,50 Euro.

Thomas Lähns ... Pressesprecher Stadt Beelitz

 
   
  
 
   
  

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